Rohölhandel
Wenn die Banken kneifen: Jetzt springen Schweizer Ölhändler ein

Weil die Finanzierung in Ägypten für Banken zu riskant wird, springen Genfer und Innerschweizer Konzerne ein. Laut Schätzungen läuft ein Drittel des weltweiten Handels mit dem «Schwarzen Gold» über diese Konzerne.

Matthias Niklowitz
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Kaum noch eigener Stoff: Schweizer Rohstoffhändler beliefern auch diese ägyptische Raffinerie in Suez.KEY

Kaum noch eigener Stoff: Schweizer Rohstoffhändler beliefern auch diese ägyptische Raffinerie in Suez.KEY

Auch wenn unter Schweizer Boden kaum ein Tropfen Rohöl liegt – im Handel mit dem «schwarzen Gold» sind die meist in Genf oder der Innerschweiz domizilierten Konzerne wie Vitol, Trafigura, Glencore, Gunvor und Mercuria führend: Laut Schätzung der Geneva Trading and Shipping Association, dem Genfer Branchenverband der Rohstoffhändler, läuft ein Drittel des globalen Ölhandels über diese Firmen.

Und sie springen ein, wenn es in einem Land zu Turbulenzen kommt und Banken die Finanzierung von Rohöllieferungen einstellen. Das jüngste Beispiel ist Ägyptens staatlicher Rohölkonzern EGPC. Hier haben die grossen Schweizer Handelsfirmen laut einem Bericht von Reuters die Finanzierung von Lieferungen übernommen.

Es ist nicht nur ein lukratives Geschäft. Sie verdrängen damit auch mittelgrosse Händler wie AOT Trading, Augusta, BB Energy oder Sahara. Diese haben sich vom Geschäft mit dem nordafrikanischen Land zurückgezogen. Grund sind fehlende Bankgarantien.

Denn hinter dem weltweiten Rohstoffhandel stehen Banken. Ihre Rolle beschränkt sich jedoch nicht auf das schlagzeilenträchtige (Eigen-)Geschäft mit den Rohstoffen selber. Banken arbeiten mit Rohstoffhändlern vor allem als Zwischenfinanzierer: Sie geben Kredite für die Frachtfinanzierung und Transportversicherungen.

Franzosen sind ausgestiegen

Die zuvor dominierenden französischen Banken sind wegen der Staatsschuldenkrise aus dem Finanzierungsgeschäft ausgestiegen, weil sich die Refinanzierung verteuert hatte. Damit war für sie dieses in US-Dollar abgerechnete Geschäft nicht mehr finanzierbar. In die Lücke gesprungen sind US-Banken, chinesische Institute, britische Adressen und Banken in Japan.

Allerdings benötigen die grossen Handelsfirmen die Banken zunehmend weniger. Das ist auch der Grund, warum die Schweizer in Ägypten einspringen.

Die grossen Rohstoffhändler haben in den letzten drei Jahren entweder hauseigene Finanzierungsvehikel aufgebaut, spezielle Fonds für Investoren aufgelegt oder sich bei Banken grosszügige Kreditlinien gewähren lassen, die sie im Alltagsgeschäft von einzelnen Kreditzusagen unabhängig machen.

Die grossen Händler ziehen sich lediglich zurück, wenn sich hinter den Kulissen grosser politischer Druck regt. So hatte Glencore 2010 den Handel mit Benzin für Iran eingestellt, weil man es sich im Vorfeld des Börsengangs nicht mit US-Investoren verderben und die Handelssanktionen nicht unterlaufen wollte.

Bereits auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise und im Februar während der Zypern-Banken-Krise waren jeweils die grossen Rohölhändler eingesprungen, als Banken das Finanzierungsgeschäft zu riskant geworden war.

Denn praktisch jede Krise geht mit Streiks bei Hafenangestellten einher. Das wiederum führt dazu, dass Schiffe nicht mehr be- und entladen werden können und sich die Nebenkosten sowie die Versicherungen für Transporte weiter verteuern.

Die Schweizer Rohstoffhändler setzen mit ihrem Handel mit Ägypten eine 50-jährige Tradition fort, an deren Anfang ebenfalls das Land vom Nil gestanden hatte: In den 1960er-Jahren kam zuerst der vormals von Ägyptern dominierte Baumwollhandel in die Rhonestadt.

Im Jahrzehnt darauf folgte die erste Welle der Rohölhändler, nachdem Ägypten innert sieben Jahren zwei Kriege gegen Israel verloren hatte. Und selbst wenn sich die Lage im Ägypten wieder normalisiert – der Handel geht nicht mehr zurück.

Inzwischen ist selbst den grossen Ölkonzernen wie BP oder Shell laut Reuters das Ägypten-Geschäft zu riskant geworden. Die Schweizer Rohölhändler dürften ihre Marktanteile in diesem Jahr weiter ausbauen.

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