Cleantech
Westschweiz will sauberen Erfolg

Die Westschweiz bildet als erste Region der Schweiz ein Cleantech-Cluster. Sie will damit ihre Position in einem aufstrebenden Markt verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit der Region und der Schweiz stärken.

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Solarstrom-Anlage

Solarstrom-Anlage

Steffen Klatt, Genf

Für Jean-Michel Cina ist Cleantech mehr als eine Modeerscheinung. «Der sparsame Umgang mit Energie und Ressourcen wird auch noch in ein paar Jahren ein Thema sein», sagt der Walliser Volkswirtschaftsdirektor. Die Westschweiz soll am Aufschwung der Cleantech-Branchen teilhaben. «Wir haben die Mittel dazu, wir haben die Kompetenzen», sagte er bei der Lancierung von CleantechAlps.

CleantechAlps wird von den Westschweizer Kantonen einschliesslich Bern, aber ohne den Jura gemeinsam getragen. Die Kantone Freiburg und Wallis übernehmen darin die Führung. Laut ihrem Präsidenten Pascal Gross, Manager des Infrastrukturunternehmens Cimo in Monthey, soll die Plattform zunächst die vorhandenen Kompetenzen identifizieren und die Cleantech-Akteure der Region vernetzen.

Diese Vernetzung soll sich nicht auf die Schweiz beschränken. «Wir wollen die nachhaltige Nutzung der Ressourcen optimieren und saubere Alternativen zu traditionellen Produkten entwickeln», so Gross. Dabei werde besonderen Wert auf Photovoltaik, kleinere Wasserkraftwerke, intelligente Netze, industrielle Ökologie und Gebäudeeffizienz gelegt. Die neue Plattform wird von Cimark geführt. Das Beratungsunternehmen in Sitten ist schon heute in der Innovationsförderung tätig. Bis Ende Jahr steht CleantechAlps eine halbe Million Franken zur Verfügung, die sowohl von den Kantonen als auch vom Bund stammen.

Leuchtturmprojekte

Eric Plan, Generalsekretär von CleantechAlps, wies auf einige Leuchtturmprojekte in der Region hin: SolarImpulse, welches das Solarflugzeug von Bertrand Piccard baut, arbeitet vom Campus der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne aus. PlanetSolar, das sonnenbetriebene Boot, das einst ebenfalls die Welt umrunden soll, wird von der Ingenieurschule Waadt entwickelt. Trotz solcher Projekte sei der Erfolg der Cleantech-Unternehmen der Region kein Selbstläufer. Sie seien untereinander oft kaum vernetzt. Statt miteinander auf den Weltmärkten zu kooperieren, sähen sich viele Unternehmen eher als Konkurrenten. Da will CleantechAlps als Vermittler auftreten.

Die Westschweiz wolle sich aber nicht vom Rest der Schweiz abnabeln. Sie wolle mit Interessenvertretungen wie Swisscleantech und für den Export mit der Osec-Exportplattform Cleantech Switzerland zusammenarbeiten. Mit Vernetzung und Kooperation allein ist es nicht getan. Darauf wies etwa Fabrice Bugnon von Maxwell Technologies hin: «Wer verkaufen will, muss sein erster Kunde sein.» In Deutschland sei auf jedem zweiten Dach ein Solardach zu sehen, in der Schweiz kaum. Sonja Studer von Swissmem, der Interessenvertretung der Maschinenindustrie, sieht in der Wahrnehmung der Schweiz von aussen eine Schwäche. «Im Ausland sind die Stärken der Schweiz oft nicht bekannt.» Die Schweiz werde kaum in Verbindung mit Cleantech gebracht. Das gelte auch umgekehrt. «Es gibt in der Schweiz sehr viele ausgezeichnete Nischenplayer. Es ist aber schwierig, sie im Ausland bekanntzumachen.»

Doch nun lockt das grosse Geld. Laut Eric Plan haben die Cleantech-Branchen derzeit einen Anteil von 3,2 Prozent an der globalen Wertschöpfung. In zehn Jahren könnte sich der Anteil verdoppelt haben, bei Wachstumsraten von 8 Prozent pro Jahr. Die Schweiz habe die Chance, davon zu profitieren. Sie müsse diese Chance aber auch nutzen.

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