Luftfahrt
«Wie sollen Piloten ihren Medizinern noch vertrauen?»: Cockpit-Crew von Swiss und Edelweiss warnt vor neuer EU-Regel

Der Germanwings-Absturz von 2015 hat in der Schweiz Folgen - für psychologische Gespräche und mit spontanen Alkoholtests beim Personal. Doch bei hiesigen Cockpit-Angestellten kommen die Neuerungen nicht gut an.

Benjamin Weinmann
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Die Piloten der Swiss und Edelweiss warnen vor negativen Konsequenzen der EU-Regel-Übernahme.

Die Piloten der Swiss und Edelweiss warnen vor negativen Konsequenzen der EU-Regel-Übernahme.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Die Nachricht von Anfang Monat sorgte für keine grossen Wellen in den Medien. Kein Wunder, bei diesem Titel: «Bundesrat verabschiedet Botschaft zur Teilrevision des Luftfahrtgesetzes». Doch dieser Entscheid hat bedeutende Konsequenzen für hiesige Cockpit-Crew. So stellt der oberste Pilot der Schweiz, Kilian Kraus, auf Twitter die Frage: «Wie sollen Piloten ihren Medizinern noch vertrauen?»

Kraus ist Präsident des Verbandes Aeropers, der rund 1500 Piloten der Swiss und ihrer Schwesterairline Edelweiss vertritt. An die Adresse des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) warnt er vor negativen Konsequenzen durch die Übernahme des EU-Rechts:

Die Tragödie von 2015

Darum geht’s: Die internationale Luftfahrt möchte psychische Erkrankungen bei Airline-Angestellten sowie bei solchen der Luftüberwachung früher erkennen. Grund dafür ist der Germanwings-Absturz vom 24. März 2015. Damals zerschellte ein Flugzeug in den französischen Alpen. Der Pilot hatte sich im Cockpit eingesperrt und riss die gesamte Besatzung und 144 Passagiere in den Tod.

Mit der Teilrevision des Luftfahrtgesetzes sollen solche Tragödien verhindert werden. Das Bazl schreibt, dass die Flugtauglichkeit von Piloten zwar im Rahmen von regelmässigen Kontrollen beim fliegerärztlichen Dienst periodisch überprüft werde. Nun könnten Ärzte jedoch von sich aus das Bazl informieren, sobald sie bei einem Piloten Anzeichen für eine akute psychische oder körperliche Erkrankung feststellen.

Bitte einmal fest blasen!

Und nicht nur das. Neu kann das Bazl jederzeit stichprobenartige Alkoholkontrollen ohne Anzeichen von Angetrunkenheit bei Mitgliedern der Besatzung vornehmen. «Damit wird nicht nur etwaigem Alkoholmissbrauch frühzeitig vorgebeugt, sondern auch sichergestellt, dass die Besatzungsmitglieder über die (…) notwendige körperliche und psychische Verfassung verfügen.»

Für Kilian Kraus, der selber für die Edelweiss fliegt, gehen diese Massnahmen zu weit, wie er online schreibt: «Das Bazl entbindet Ärzte und Psychologen mit neuem ‹Melderecht› von ärztlicher Schweigepflicht.» Dadurch erhoffe man sich bessere Prävention. Doch: «Die Chancen sind gross, dass das Gegenteil der Fall ist.»

«Die Alkohol- und Drogentests können in einem sicherheitsrelevanten Umfeld Sinn machen», sagt Kraus auf Nachfrage. Akute Gründe sehe er dafür aber nicht – auch weil beim Germanwings-Absturz weder Alkohol noch Drogen eine Rolle gespielt hätten. «Die Maßnahme, Ärzte und Psychologen von ihrer Schweigepflicht zu entbinden geht aber zu weit.»

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