Fabian Hägler

«Ja, wir haben mit dem Bau begonnen, bevor die schriftliche Bewilligung vorlag», sagte Denis Kopitsis. Der Verwaltungsratspräsident der Ferrowohlen AG steht zum Gesetzesverstoss, den seine Firma begangen hat. «Wir wollen nichts beschönigen oder verheimlichen, aber wir möchten erklären, wie es dazu kam», leitete Kopitsis gestern Morgen eine Medieninformation auf dem Ferro-Areal ein. Zusammen mit Verwaltungsrat Peter Wertli und Architekt Paul Meyer erläuterte er die Hintergründe des verfrühten Baustarts.

Rückblende: Im letzten Sommer entschied sich Digitec, ein erfolgreicher Unterhaltungselektronikhändler, sein Lager nach Wohlen zu verlegen. «Die Firma belegt künftig rund 12 000 Quadratmeter in der alten, südlichen Ferrohalle und nannte als Zeitvorgabe für den Bezug den Frühling dieses Jahres», sagte Paul Meyer.

Sehr ehrgeizige Zeitvorgabe

Bevor der Mietvertrag unterzeichnet wurde, traf die Führung der Ferrowohlen AG schon umfassende Abklärungen mit kantonalen Stellen und den beiden Gemeinden Wohlen und Villmergen. «Erst als wir die Zusicherung hatten, dass ein Baugesuch im vereinfachten Verfahren behandelt werden könnte, gingen wir dieses Geschäft mit Digitec ein», blickte Denis Kopitsis zurück.

Hätte das Projekt öffentlich ausgeschrieben und im normalen Verfahren behandelt werden müssen, wäre die Zeitvorgabe von Digitec gar nicht einzuhalten gewesen. «Wir brauchen viel Flexibilität. Wenn es zu lange dauert, bis ein Projekt baureif ist, springt der Interessent rasch wieder ab», erklärte Peter Wertli.

Architekt Meyer betonte: «Das vereinfachte Verfahren wird angewendet, wenn keine öffentlichen oder nachbarschaftlichen Interessen tangiert werden.» Diese Voraussetzung war bei der Sanierung der alten Ferrohalle erfüllt, überdies hatten alle Nachbarn schriftlich ihr Einverständnis erklärt. «Es handelte sich also nicht um eine Spezialbehandlung der Ferro, sondern um die gängige Praxis», ergänzte Meyer.

Ordentlich statt vereinfacht

Mitte Januar stellte der Wohler FDP-Präsident und Einwohnerrat Benno Kohli das vereinfachte Bewilligungsverfahren jedoch infrage. Mit einer Anfrage an den Gemeinderat (die bis heute nicht beantwortet ist) sorgte Kohli für Aufsehen. Für die Ferro-Verantwortlichen ein unglücklicher Zeitpunkt: Kurz zuvor hatten sie ein zusätzliches Baugesuch eingereicht. «Wir wollten neben den Garderoben für Digitec-Mitarbeiter einen Aufenthaltsraum für alle Mieter erstellen», erklärte Meyer.

Nach den Erfahrungen mit dem «grossen» Baugesuch ging die Ferrowohlen AG davon aus, auch das «kleine» Gesuch werde im vereinfachten Verfahren behandelt. Doch Wohlen verlangte das ordentliche Verfahren, das rund 12 Wochen dauert. «Es ist verständlich, dass sich die Gemeinde nach der Anfrage von Herrn Kohli nicht der politischen Kritik aussetzen wollte», räumte Kopitsis ein.

Doch die Ferro hatte nicht damit gerechnet, ihr Zeitplan für das Bauvorhaben wäre nicht einzuhalten gewesen. «Es drohte eine Konventionalstrafe aus dem Vertrag mit Digitec», sagte Wertli. Dennoch wartete die Ferrowohlen AG die Einsprachefrist ab. «Wir wussten, dass es keine Einsprachen gab, und hatten die mündliche Zusage des Kantons. So entschieden wir, den Bau vorzeitig zu starten», erklärte Kopitsis.

Rahmenbewilligung angestrebt

Um bei Bedürfnissen der Mieter flexibler zu sein, strebt die Ferrowohlen AG eine Rahmenbewilligung für bauliche Veränderungen innerhalb der bestehenden Hallen an. «Es handelt sich um zonenkonforme Bauten, die alle schon ein Bewilligungsverfahren durchlaufen haben», begründete Paul Meyer.

An einem konkreten Beispiel zeigte Denis Kopitsis die Bedeutung einer Rahmenbewilligung. «Wenn wir ein Tor in der neuen Halle um 20 Zentimeter vergrössern müssen, um eine Maschine in die Halle zu bringen, und dafür ein dreimonatiges Bauverfahren brauchen, ist das einfach unverhältnismässig.»