Swiss Economic Forum
Balinesische Aktivistin schlägt bei SEF-Publikum ein – sie fordert mitunter eine Jugendquote in Unternehmen

Melati Wijsen gründete mit nur 12 Jahren die Umweltorganisation Bye Bye Plastic Bags. Am Swiss Economic Forum stellte die inzwischen 21-Jährige andere Speakerinnen und Speaker in den Schatten.

Gabriela Jordan
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Melati Wijsen ist für das SEF in Interlaken aus Bali angereist. Zum Dilemma Reisen versus Umwelt sagt sie: «Das ist ein Problem, dem sich alle Aktivisten stellen müssen. Ich versuche, bei der Auswahl meiner Auftritte selektiv zu sein.»

Melati Wijsen ist für das SEF in Interlaken aus Bali angereist. Zum Dilemma Reisen versus Umwelt sagt sie: «Das ist ein Problem, dem sich alle Aktivisten stellen müssen. Ich versuche, bei der Auswahl meiner Auftritte selektiv zu sein.»

Bild: gjo

Sie ist sozusagen die Greta Thunberg von Bali. Melati Wijsen gründete mit nur 12 Jahren die Umweltorganisation Bye Bye Plastic Bags, mit welcher sie zusammen mit ihrer Schwester Isabel die indonesische Insel von Plastikmüll befreien will. Für die beiden war es der Startschuss für ein Leben als Aktivistinnen. Statt die Schulbank zu drücken, reisten sie um die Welt, um vor Schulklassen über Plastik und Umwelt zu reden.

Am Swiss Economic Forum in Interlaken kam die inzwischen 21-Jährige Melati Wijsen am Freitag denn auch alles andere als eine unerfahrene Jugendliche daher. Beim Publikum hinterliess sie, die sich selbst als «fulltime Changemaker» bezeichnet, mächtig Eindruck. Selbst der nach ihr auftretende ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz anerkannte neidlos an: «Wenn ich mir diesen Polit-Nachwuchs anschaue, fühle ich mich darin bestärkt, mit nur 35 Jahren in die Polit-Pension gegangen zu sein.»

Mit der Plattform Youthtopia vernetzt sie junge Aktivisten

In perfektem Englisch und mit ansteckendem Enthusiasmus schilderte Melati Wijsen, wie sie und ihre Schwester damals ohne Businessplan, Strategie oder Geld den Kampf gegen die Plastikverschmutzung gestartet haben. Sie hatten bloss eine Vision: Ihre Heimat Bali soll plastikfrei werden. Ganz erreicht ist diese Vision noch nicht, ein wichtiges Zwischenziel wurde unter anderem dank ihrem Engagement aber erreicht: Vor ein paar Jahren wurden auf der Insel Einwegtüten verboten.

Das Wort Umweltaktivistin beschreibt die junge Frau aber nur unzureichend. Sie ist auch eine Jugendaktivistin. Vor zwei Jahren hat sie die Plattform Youthtopia gegründet, die das Ziel hat, junge engagierte Leute weltweit miteinander zu vernetzen und gegenseitig Know-how zu vermitteln. «Junge Leute engagieren sich heute immer früher. Das ist auch dank besserer Information und Vernetzung möglich.» Melatis Rede traf in diesem Sinne das diesjährige SEF-Motto «Reaching Out», wonach Verbindungen geschaffen und Brücken geschlagen werden sollen.

Braucht es eine Jugend-Quote in Firmen?

Junge Leute auf Konferenzen einzuladen ist derzeit freilich hip. Aus Melati Wijsens Sicht ist das Segen und Fluch zugleich. Es sei zwar toll, dass es Junge auf die Agenda schafften, häufig würden sie aber nicht richtig ernst genommen, ihre Aussagen und Forderungen verpuffen. Sie spricht von Youthwashing, angelehnt an das Wort Greenwashing, bei dem sich Unternehmen grüner ausgeben, als sie sind. Bei Youthwashing schmückt man sich also mit Jungen, ohne sie wirklich richtig einzubeziehen.

Um das zu verhindern, schlägt die Balinesin eine Jugendquote in Wirtschaft und Politik vor. Vor allem Unternehmen rät sie, eine solche einzuführen. «Junge Leute brauchen keine weitere Plattform auf einer Konferenz oder einem Forum. Was sie brauchen ist, in der politischen und unternehmerischen Welt langfristig miteinbezogen zu werden», so die junge Frau, die an den nun zu Ende gegangenen beiden SEF-Tagen wohl am meisten vom Publikum beklatscht wurde.