Das 5G-Mobilfunknetz wird schneller zur neuen Realität als bislang bekannt. Schweizer Kunden müssen nicht mehr bis zum Jahr 2020 warten, wie man lange glaubte. Stattdessen wird es noch dieses Jahr möglich sein, in den ersten Städten und Gemeinden das superschnelle 5G-Netz zu nutzen. 

Salt kündigte heute an, man werde noch dieses Jahr eigene 5G-Dienste einführen. Auch die Konkurrenten Swisscom und Sunrise werden laut Branchenkennern noch dieses Jahr soweit sein. 

Die ersten Smartphones, die das Netz der fünften Generation nutzen können, werden in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Damit lassen sich Daten rund 100 Mal schneller als heute herunterladen: Nicht mehr 100 Megabits pro Sekunde wie mit 4G, sondern gleich 10'000 Megabits. Zweistündige Filme sind damit in wenigen Sekunden auf dem Handy.

Dennoch bekommt Urs Schäppi oft die Sinn-Frage gestellt, wie der Swisscom-Chef gestern bei der Vorstellung der Jahreszahlen berichtete: Wozu es 5G überhaupt brauche, es gehe doch auch ohne. Diesen Einwand habe er jedoch auch zu hören bekommen, als die Schweiz um das Jahr 2007 herum auf das 3G-Netz umstellte. Heute sei klar: «Ohne 3G hätten wir zum Beispiel keine Smartphones.»

Kaum vorhersehbare Folgen

Was wird sich mit dem 5G-Netz verändern? Schäppi gab sich betont zurückhaltend – ganz in der Tradition eines vermutlich dänischen Sprichwortes, wonach Prognosen schwierig seien, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Es lasse sich heute kaum sagen, was sich mit dem neuen Mobilfunkstandard alles bewegen werde. Dies werde man erst wissen, wenn man in zehn Jahren zurückschauen könne.

Einen Ausblick wagte Schäppi dann dennoch. So werde 5G neuen Schwung in die Digitalisierung der Wirtschaft bringen. Beispiele seien etwa: Die Automatisierung von Produktionsketten in der Industrie; das Internet der Dinge, wo Fabrikmaschinen an die Mobilfunknetze angeschlossen werden. Hinzu komme die virtuelle oder erweiterte Realität, «die unser Leben verändern werden», wie Schäppi sagt.

In der Branche wird unter anderen damit gerechnet, dass Reisen neu organisiert werden können, indem man den Ort zuvor virtuell besucht. Oder Konzerte können virtuell besucht werden. Wer Fussball schaut, kann die Kameraperspektive selber wählen.

Mit Veränderungen ist im Autoverkehr zu rechnen. Wird dieser ans Netz angeschlossen, entstehen in kürzester Zeit enorme Unmengen von Daten. Die heutigen Netze können dies nicht bewältigen. Obendrein sind sie zu langsam. Bis sie reagieren, vergehen bis zu 35 Millisekunden. Mit 5G hingegen wird ein Auto innert weniger Millisekunden wissen, wo zum Beispiel das nächste Auto steht. So werden Autos automatisiert oder zumindest teilautomatisiert unterwegs sein können.

In der Wirtschaft werde mit 5G die zweite Halbzeit anbrechen, so Schäppi. «Die erste Halbzeit haben die USA gewonnen, aber für die zweite Halbzeit ist Europa gut aufgestellt.» Vor allem weil Europa noch eine stärkere industrielle Grundlage habe als die Amerikaner. In dieser zweiten Halbzeit will die Swisscom mitmischen. Schäppi verspricht sich, neue Services für Unternehmen erbringen zu können, die in das Internet der Dinge investieren.

Ersetzt 5G künftig das Festnetz?

Dass sich die Swisscom mit 5G ins eigene Fleisch schneidet, glaubt Schäppi hingegen nicht. Zwar behaupteten Konkurrenten schon, manche Familie könne sich den Anschluss an das Festnetz sparen wollen, wenn es mit dem mobilen 5G-Netz verbunden sei. Derlei Sparmassnahmen könnten insbesondere der Swisscom wehtun. Sie kommt auf einen Anteil von über 50 Prozent bei den Breitband-Abos.

Schäppi wehrt jedoch ab. «Wir gehen davon aus, dass sich Festnetz und Mobilfunknetz ergänzen.» So sei das Festnetz etwa besser geeignet für das Internetfernsehen. Auch Haushaltgeräte würden künftig an das Festnetz angeschlossen. «Nur in wenigen Nischen werden sich Festnetz und 5G-Netze konkurrenzieren.» Daher sei auch nicht damit zu rechnen, dass die Swisscom künftig grössere Abschreibungen auf ihre Festnetze tätigen müsse.

Schäppi nahm zudem Stellung zur möglichen Fusion von Sunrise und UPC. Dass es zu solchen Gesprächen kommen würde – damit habe man allgemein gerechnet. Wie diese Konsolidierung ablaufe, könne er nicht sagen. Damit spielte Schäppi darauf an, dass ein Zusammenschluss längst nicht beschlossen ist. Sunrise hat einzig Gespräche bestätigt, ohnehin braucht es das Okay der Wettbewerbskommission. Sollte es zur Fusion kommen, werde diese den Wettbewerb weiter fördern.