Rezession

Zittern vor dem zweiten Stillstand: Die Anzeichen für einen Börsencrash häufen sich

In Teilen von Madrid wurde ein Lockdown verordnet, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bekämpfen.

In Teilen von Madrid wurde ein Lockdown verordnet, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bekämpfen.

Die Aussicht auf eine längere Rezession bringt die Aktienkurse in den Industriestaaten wieder unter Druck.

Der Börsencrash von 1929 fand im Oktober statt. Ebenso der Crash von 1987, wie auch der Lehman-Kollaps von 2008. Im Jahr 2020 häufen sich die Anzeichen, dass die Welt erneut einen turbulenten Börsen-Oktober erleben könnte.

In den USA büssen die wichtigsten Aktienindizes in den vergangen fünf Tagen zwischen zwei und drei Prozent ein. In Europa liegen die Verluste gar bei um die fünf Prozent. Auch die Schweizer Börse zieht es talwärts, wenn auch weniger steil.

Die Kurskorrekturen scheinen die Ankunft einer zweiten Pandemiewelle vorwegzunehmen. Vor wenigen Tagen vermeldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den weltweit höchsten Tagesanstieg an Neuinfektionen seit Beginn der Messungen. Betroffen sind auch die grössten Industrieländer.

Bill Gates ist skeptisch für den kommenden Herbst

In 36 der 52 amerikanischen Bundesstaaten steigen die Infektionszahlen wieder. Bevölkerungsreiche Bundesstaaten wie Kalifornien oder Pennsylvania haben ihr Corona-Regime kürzlich wieder verschärft oder Pläne für Lockerungen schubladisiert. Ähnliches passiert derzeit in Europa. In Madrid sah sich die Regierung genötigt, gleich ganze Stadtteile abzuriegeln.

In Grossbritannien wird Regierungschef Boris Johnson heute Dienstag neue Massnahmen zur Eindämmung ankündigen. Der hundertfache Dollar-Milliardär und WHO-Sponsor Bill Gates sagt dem deutschen Handelsblatt: «Ich bin pessimistisch, was den Herbst betrifft.» Ohne Gegenmassnahmen würden die Todesraten in vielen Ländern wieder auf das Niveau vom Frühling steigen.

Die konjunkturelle Erholung könnte zum Stillstand kommen. Das befürchten viele Investoren. In reicheren Industrieländern wie der Schweiz, Deutschland und vor allem den USA hatte sich die Wirtschaft gegen Ende des zweiten Quartals überraschend günstig entwickelt.

Die Angst vor dem Stillstand zeigt sich etwa am Kurseinbruch von Bankaktien. Käme es tatsächlich dazu, drohen mehr Verluste und Kreditausfälle. Auch Versicherungsaktien leiden derzeit überproportional. In der Schweiz haben die Finanztitel in den vergangenen fünf Tagen mehr als sieben Prozent verloren – verglichen mit einem Minus des Gesamtmarktes von weniger als 1,5 Prozent.

Würden die Staaten wieder stärker das Reisen beschränken, würde das auch die Aktien von Swatch Group und Richemont wieder unter Druck setzen. Die Uhren- und Schmuckhersteller verkaufen einen grossen Teil ihrer Ware an Touristen in den grossen Metropolen der Welt. Sie sind sozusagen die Tourismus-Aktien im schweizerischen Bluechip-Index SMI.

Oswald Grübel glaubt unerschütterlich an Aktien

Und noch etwas zeigt sich in den aktuellen Turbulenzen: Die grossen Verlierer-Aktien der ersten Pandemiewelle sind auch im aktuellen Tief wieder unter den grössten Flops anzutreffen. Umgekehrt erweisen sich die solidesten Werte von damals auch diesmal als widerstandsfähiger. Offensichtlich fliehen viele Anleger wieder in die vermeintlich sicheren Häfen und flüchten vor den Verlierern der ersten Pandemiewelle.

Aber sind die Ängste überhaupt berechtigt? Könnte es auch im Jahr 2020 zu einem Oktobercrash kommen? Daran glaubt Banker-Legende Oswald Grübel nicht. Der Börsenfuchs spricht auf Anfrage von einer «gesunden Korrektur». Gewinne würden realisiert, Fonds würden umschichten und die Spekulationen auf Technologie-Aktien etwas weniger heiss laufen. Und was die Banken angeht: Grübel glaubt, die erwarteten Kreditverluste seien bereits in den Bewertungen enthalten. Viel weiter runter geht es also nicht mit den Banken.

Längerfristig führt kein Weg an Aktien vorbei. Davon geht Grübel stillschweigend aus, wie viele andere Börsenauguren auch. Die extrem tiefen Zinsen lassen Aktien in immer höhere Bewertungssphären steigen. Jedoch liegt dieser Entwicklung die Erwartung zu Grunde, dass die Regierungen und die Notenbanken ihre Politik des billigen Geldes fortsetzen und die Wirtschaft weiter stützen werden.

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