Wirtschaft

CSS gibt Tausende Kunden an Zurich ab

Nach der Concordia stösst in Luzern auch die CSS Versicherung das Firmenkundengeschäft ab. Über 70 Mitarbeitende sind betroffen.

Die CSS verabschiedet sich aus dem zunehmend schwierigen Versicherungsgeschäft mit Firmenkunden. Grund dafür sind die tiefen Prämien bei Versicherungen von Lohnausfall und Unfällen am Arbeitsplatz. «Diese Sparte ist hart umkämpft, die Margen sind entsprechend tief», sagt eine Sprecherin der Luzerner Versicherin. Die wirtschaftlichen Ergebnisse seien über mehrere Jahre unbefriedigend gewesen. Deshalb habe die CSS beschlossen, ihr Unternehmensgeschäft per Mitte 2020 an Zurich Schweiz zu verkaufen. Die Ankündigung kommt ein Jahr nachdem die ebenfalls in Luzern ansässige Concordia mit ähnlicher Begründung aus dem Unternehmensgeschäft ausgestiegen war.

Im aktuellen Fall übernimmt die Käuferin aus Zürich ein Portfolio von rund 30'000 CSS-Kunden, die meisten davon aus dem Segment der kleinen und mittleren Unternehmen. Sämtliche Verträge in der obligatorischen Unfallversicherung, der Unfallzusatzversicherung und der Krankentaggeldversicherung nach dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) wechseln somit in die Hände von Zurich. Nicht vom Verkauf betroffen sind die Krankentaggeldversicherungen nach dem Krankenversicherungsgesetz (KVG) sowie die Rahmenverträge von Unternehmen zu Zusatzversicherungen für Einzelversicherte.

Luzerner Mitarbeitende wechseln nach Kriens

Mit der Transaktion will sich die CSS nach eigenen Angaben künftig noch stärker auf das Kerngeschäft – die obligatorische Grundversicherung – fokussieren. Mit knapp 1,4 Millionen Kunden in der obligatorischen Krankenversicherung ist die CSS die grösste Grundversicherin der Schweiz. Das Geschäft mit Firmenkunden machte dagegen nur 3 Prozent des Gesamtgeschäfts des Unternehmens aus.

Zurich Schweiz werde die Policen der übernommenen CSS-Kunden zu den gleichen Konditionen wie bisher weiterführen, heisst es in einem gestern publizierten Communiqué. Zu Veränderungen kommt es dagegen für die Mitarbeitenden, die sich bei der CSS zuletzt um ebendiese Kunden gekümmert hatten – sie werden von Zurich übernommen. Laut dem Communiqué handelt es sich um insgesamt 77 Personen.

Auf Anfrage konkretisiert die CSS-Sprecherin, was auf diese zukommt. So wechseln die 42 Mitarbeitenden, welche derzeit noch am CSS-Hauptquartier in Luzern arbeiten, im Sommer 2020 an den Zurich-Regionalsitz in Kriens, der dazu extra ausgebaut werden soll. Weitere 26 Mitarbeitende, die meisten davon aus dem Kanton Tessin, verbleiben ebenfalls zu vergleichbaren Konditionen in ihren Regionen. Für die restlichen 9 Mitarbeitenden sei man derzeit noch auf der Suche nach einer Anschlusslösung. «Wir gehen aber nicht davon aus, dass es zu Entlassungen kommen wird.

Konsequenzen reichen bis zur Suva

Die CSS glaubt, mit dem Verkauf eine gute Lösung sowohl für Kunden als auch Mitarbeitende gefunden zu haben. Zurich sei ein kompetenter Partner, der die Firmen umfassend betreuen werde, kommentierte Unternehmenschefin Philomena Colatrella gestern den geplanten Schritt. «Die Mitarbeitenden des Unternehmensgeschäfts erhalten bei Zurich Schweiz eine berufliche Perspektive.»

Ebenfalls zu personellen Konsequenzen führt der Verkauf beim grössten Unfallversicherer der Schweiz: der Suva. Diese erledigt für die CSS seit 2004 die Abwicklung von Schadenfällen – und sah sich gestern folglich auch zu einer Mitteilung veranlasst. Darin heisst es, dass der Verkauf des Unternehmensgeschäfts durch die CSS dazu führe, dass diese Dienstleistung ab Mitte 2020 ebenfalls an Zurich übertragen werden muss. Dies habe organisatorische wie personelle Folgen für die Suva. Wie viele Mitarbeitende in Luzern betroffen seien, wollte eine Sprecherin auf Anfrage nicht sagen. Dies könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden. Für die letztlich Betroffenen strebe man aber eine faire Lösung an.

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