Nach der letztjährigen Pause kehrte Angela Merkel auf die Davoser Bühne zurück. Die deutsche Kanzlerin nutzte ihre Rede, um ein Plädoyer für die internationale Zusammenarbeit zu halten. Sie erachte Organisationen wie die UNO, den Währungsfonds oder die Weltbank für «unabweisbar».

Leider sei jedoch ein anderer Ansatz aufgekommen, der grundsätzliche Zweifel an dieser Zusammenarbeit habe. Deren Vertreter sagten, der Welt gehe es dann am besten, wenn jeder an sich denke. Ohne auch nur ansatzweise auf die USA oder ihren Präsidenten anzuspielen, war klar, wen sie damit meinte: Donald Trump mit seinem Wahlkampfspruch «Make America great again».

Merkel vertrat einen Gegenentwurf: «Wir sollten unsere nationalen Interessen so verstehen, dass wir die Interessen der anderen mitdenken und so Win-win-Situationen schaffen.» Sie kritisierte zudem, dass der politische Kompromiss mittlerweile ein schlechtes Image habe. Die deutsche Kanzlerin zeigte sich jedoch überzeugt davon, dass eine globale Weltordnung nur funktioniere, «wenn wir fähig zum Kompromiss sind».

Die heutige internationale Zusammenarbeit gehe auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Die Menschen hätten damals als Reaktion auf den Schrecken des Krieges gehandelt. «Wir müssen aufpassen, dass wir deren Einsichten nicht einfach achtlos wegwischen.» Denn damals habe man richtig gehandelt und etwa die UNO gegründet. Gleichzeitig kritisierte sie, dass die internationalen Organisationen zu viel Zeit für Reformen brauchten. Sie warb dafür, dass die neuen globalen Kräfteverhältnisse in diesen Organisationen wieder hergestellt werden.

Verzweifelte Italiener

Die spätere Rede von Italiens Premier Giuseppe Conte bildete einen starken Kontrast zu Merkels Plädoyer. Er kritisierte die Politik der EU, für die nicht zuletzt die deutsche Kanzlerin steht. Lange seien die Italiener sehr geduldig gewesen und hätten wirtschaftliche Glaubenssätze der sogenannten freiheitlichen demokratischen Ordnung übernommen. Als Beispiele nannte er die Integration oder den freien Verkehr von Personen und Kapital. Die Italiener hätten damals auch den Euro mit Begeisterung angenommen. Der Preis für die damit verbundene tiefe Inflation sei jedoch eine steigende Staatsverschuldung gewesen, obwohl «alle verfügbaren Gürtel enger geschnallt wurden».

In Italien habe sich nun Verzweiflung breitgemacht, sagte Conte. Viele Menschen der Mittelschicht seien von der Armut bedroht. Doch statt auf die Strasse zu gehen und mit Gewalt zu reagieren, hätten die Italiener die alte Elite abgewählt. Sie hätten sich für jene entschieden, die Alternativen für neuen Wohlstand aufzeigten. Conte blieb jedoch sehr vage, wie das genau gelingen soll. Neben angeschobenen Reformen wie dem Umbau des Rentensystems nannte er alte Klassiker wie Korruptionsbekämpfung und den Abbau der Bürokratie. Auch auf Nachfrage des Moderators wurde der Premier nicht konkreter.