Abschied einer Institution
Die letzten Salvatorianer verlassen Zug

Die Ordensbrüder der Gesellschaft des Göttlichen Heilands sind zweimal innerhalb des Kantons Zug umgezogen. Jetzt ziehen die drei hier verbliebenen Fratres nach Fribourg. Dort ist der Orden schon seit 100 Jahren vertreten.

Marco Morosoli
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Der Eingang des Ordens auf dem Areal des Klosters Maria Opferung in Zug.

Der Eingang des Ordens auf dem Areal des Klosters Maria Opferung in Zug.

Bild: Maria Schmid (17. Mai 2021)

Im aktuellen Pfarrblatt der katholischen Kirche des Kantons Zug findet sich unter Rubrik Walchwil eine kurze Mitteilung: «Adieu – à dieu – oder Deutsch: Wir empfehlen euch Gott!» Es handelt sich hierbei aber nicht etwa um eine Todesanzeige. Vielmehr um ein Walchwiler Lob an die Adresse der Salvatorianer, deren Wirken an der Zuger Riviera positive Spuren hinterlassen hat. Es ist nun nicht so, dass die Ordensbrüder ihre Lust an der Seelsorge verloren hätten, aber wegen des Umzugs der Salvatorianer nach Fribourg käme eine räumliche Distanz hinzu.

Die Salvatorianer zogen im Jahr 1937 in den Kanton Zug. Sie betrieben damals ein Gymnasium im ehemaligen Sporthotel Gottschalkenberg. 20 Jahre später kaufte die Stadt Zug die Liegenschaft. Sie ist noch heute Eigentümerin, und jedes Schulkind in der Stadt ist mindestens einmal in seinem Schulleben ein paar Tage im «Gottschälli», beispielsweise im Ferienlager.

Stark im Verlagswesen aktiv

Die acht Ordensbrüder der Gesellschaft des Göttlichen Heilands, so ihr voller Name, bezogen ein Haus im Gebiet Maria Opferung in der Nähe der St.-Michaels-Kirche. Dieser Ortswechsel war auch ein wenig dem Umstand geschuldet, dass ihr Hauptgeschäft, der Salvator-Verlag, in Zug lag. Wie im vorerwähnten katholischen Pfarrblatt des Kantons Zug zu entnehmen ist, seien einst 53'000 Exemplare der Zeitschrift «Missionär» in der Schweiz verkauft worden. Das Magazin wechselte 1973 den Namen auf «Unterwegs». Doch 2020 stellten die Ordensbrüder die Publikation ein. Geblieben ist nur noch der Kalender. Einer der letzten drei Bewohner des Zuger Zweiges, Pater Karl Meier, lässt sich gegenüber dem Zuger Pfarreiblatt dazu so zitieren:

«Die Redakteure hatten gute Absichten, ahnten aber nicht, wie sich die Kirche und die Gesellschaft verändern würden. In den 1970er-Jahren begann die Zahl der Kirchgänger und der Abonnenten der christlichen Publikationen zu schrumpfen.»

Das Haus der Salvatorianer hat, so ist es auf der Website des katholischen Pressedienstes kath.ch zu lesen, hat ein Verein des Klosters Maria Opferung gekauft. Geplant ist, es künftig Studenten der Pädagogischen Hochschule Zug zur Nutzung zu überlassen. Beim 77-jährigen Ordensbruder Karl Meier klingt Wehmut mit, wie er kath.ch verraten hat: «Es ist nicht angenehm, hier wegzuziehen. Es wäre schöner, wenn man etwas aufbauen könnte.»

«Gott kennt unsere Zukunft»

Die Zeit des Abschieds Ende Mai naht. Gegenüber dem Zuger Pfarrblatt sagte Meier: «Wir wollen alles vertrauensvoll in Gottes Hände legen. Er kennt unsere Zukunft.» Meier sagte weiter, dass ja schon der Gründer des Ordens, Johann Baptist Jordan (1848–1918), mit Gottvertrauen durchs Leben gegangen sei. Er wolle immer weiter auf den Glaubens- und Pilgerweg seines Ordens vorwärtsgehen.

Der Ordensstifter erblickte 1848 in Gurtweil bei Waldshut das Licht der Welt. Er wollte schon früh Priester sein, doch seine Eltern waren sehr arm. So liess er sich zum Maler ausbilden und ging nachher auf eine Reise quer durch Deutschland. Dabei sah er, wie das Pfarrblatt schreibt, «die soziale und religiöse Not des Menschen». Nach der Priesterweihe im Jahr 1878 macht er sich nach Rom auf. Dort gründete er 1881 die Gesellschaft des Göttlichen Heilands, die Salvatorianer. Er selber nannte sich fortan Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan.

Ein weiblicher Zweig, die Salvatorianerinnen, kam sieben Jahre später hinzu. Im Zuge des Ersten Weltkriegs dislozierten die Salvatorianer in die Schweiz. Am 8. September 1918 verschied der Ordensstifter im Armenhaus von Tafers FR.

Bei der Seligsprechung spendeten die Besucher der Feier Applaus

Am Samstag, 15. Mai, war Franziskus Jordan in Rom das grosse Thema. In der Lateranbasilika sprach Kardinal Angelo De Donatis den Ordensgründer selig. Er tat dies in Vertretung des aktuellen Papstes Franziskus. Der Seligsprechungsprozess hatte schon 1942 eingesetzt. Die finale Tat Jordans zu seiner Seligsprechung beschrieb kath.ch so: Ein brasilianisches Ehepaar erwartete ein Kind. Ärzte diagnostizierten eine unheilbare Krankheit. Die werdende Mutter bat Jordan um Vermittlung bei Gott. Das Mädchen kam gesund zur Welt und war mit seinen Eltern bei der Feier ebenfalls anwesend.

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