Wohlen
Haldeschulhaus darf gebaut werden – Einwohnerrat ist einstimmig für das 56-Millionen-Projekt

Wohlen hat ein grosses Schulraumproblem. Den Einwohnerräten ist bewusst, dass die Bevölkerung am 13. Juni an der Urne nur Ja zum Grossprojekt Haldenschulen sagt, wenn sich der Rat auch einig ist. Und das ist er, wie er am Montagabend bewies.

Marc Ribolla und Andrea Weibel
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Der Einwohnerrat sagte einstimmig Ja zur Sanierung und dem Teilneubau des Schulzentrums Halde (im Bild: das künftige Bezirksschulhaus mit dem Neubau (links).

Der Einwohnerrat sagte einstimmig Ja zur Sanierung und dem Teilneubau des Schulzentrums Halde (im Bild: das künftige Bezirksschulhaus mit dem Neubau (links).

Visualisierung / zvg

Wohlen hat keine Zeit für einen Plan C. Das Schulareal Halde mit Bezirks- und Primarschule muss ausgebaut werden. Und das so schnell es geht. Dafür haben sich die Einwohnerrätinnen und -räte am Montagabend im Casino Wohlen unisono eingesetzt. Denn es ist klar: Sind sich die Parteien nicht einig, wird es das Stimmvolk am 13. Juni an der Urne garantiert auch nicht sein.

So soll das neue Primarschulhaus Halde aussehen.

So soll das neue Primarschulhaus Halde aussehen.

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Die Schule Wohlen hatte ein starkes Zeichen nötig. Und das hat sie bekommen. Mit 38:0 Stimmen wurden die 55,95 Mio. Franken für die Sanierung und den Teilneubau des Schulzentrums Halde samt Bezirksschule, Primarschule und Wietlisbachschulhaus, gutgeheissen. 55,9 Mio. Franken – damit ist das Haldeprojekt das grösste Infrastrukturprojekt der Gemeinde in der Geschichte, wie Gemeindeammann Arsène Perroud festhielt. «Es umfasst etwa ein Drittel der gesamten Investitionssumme der kommenden zehn Jahre.»

Hell und gut zum Lernen: das neue Obergeschoss des Bezirksschulhauses.

Hell und gut zum Lernen: das neue Obergeschoss des Bezirksschulhauses.

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Doch die Räte waren sich einig: Es kostet sehr viel, dafür erhält Wohlen auch sehr viel. Gemeinderat Thomas Burkard mahnte: «Es wird nicht alle Schulraumprobleme der Gemeinde lösen.» Aber viele. Wenn alles klappt, sollte das neue Schulzentrum Halde 2026 eingeweiht werden können. In einem weiteren Punkt waren sich die Räte aber ebenfalls einig: Der Kreditrahmen darf auf keinen Fall überschritten werden.

Sportpark Bünzmatt AG soll endlich Rechnungen vorlegen

Neu zu bestellen hatte der Einwohnerrat auch den Verwaltungsrat der Sportpark Bünzmatt AG. Beantragt war dabei eine Reduktion der Sitze von bisher fünf auf drei. Ausgeschieden sind Matthias Jauslin und Matthias Fricker. Zur Wiederwahl stellten sich Patrick Amstutz als Verwaltungsratspräsident, Urs Meier als Vize-Präsident und Alex Meyer als Verwaltungsrat. Alle drei wurden mit mindestens 36 Stimmen bestätigt.

Die Sportpark Bünzmatt AG hat auch in ihrem dritten Betriebsjahr noch keine Jahresrechnung vorgelegt. Daran stören sich die Einwohnerräte.

Die Sportpark Bünzmatt AG hat auch in ihrem dritten Betriebsjahr noch keine Jahresrechnung vorgelegt. Daran stören sich die Einwohnerräte.

Visualisierung/zvg

Die Räte monierten zuvor in den Fraktionserklärungen den fehlenden Frauenanteil. Gemeinderat Paul Huwiler erklärte: «Die Frage des Frauenanteils stellt sich erst, wenn es Ersatzwahlen gibt, was aktuell noch nicht der Fall ist.»

Mehr zu diskutieren als das Personelle gibt rund um die Sportpark Bünzmatt AG das Finanzielle. Marc Läuffer (SVP) sagte: «Die Verwaltungsräte führen das Schiff durch Sturm und See. Wir hoffen, dass kein Eisberg entgegenkommt, angesichts der immer noch fehlenden Kreditabrechnung.»

Direkt ins Visier nahm die FDP diesbezüglich schon zu Beginn der Einwohnerratssitzung den Gemeinderat. Thomas Hoffmann verglich in einer Fraktionserklärung das Vorgehen der Exekutive mit der «Vogel-Strauss-Taktik». Denn auch im dritten Betriebsjahr liegt noch keine Jahresrechnung öffentlich vor. Hoffmann sagte:

«Das Schweigen über die Situation der Sportpark Bünzmatt AG des Gemeinderates ist unverständlich.»

Es stelle sich die Frage, ob noch genügend Eigenkapital vorhanden sei oder ob bereits Handlungsbedarf bestehe. Der FDP-Fraktionschef beendete sein Votum mit einem Seitenhieb: «Dieses Schweigen hat aber auch etwas Gutes: Solange der Gemeinderat nichts sagt, erzählt er uns auch nicht die Unwahrheit.»

Finanzplan mit Steuerfuss 120 Prozent zur Kenntnis genommen

Zur Kenntnis genommen hat der Einwohnerrat den Finanzplan 2022 - 2031. Dieser ist nur marginal verändert zu demjenigen, den der Gemeinderat vor fünf Monaten präsentierte. Das Investitionsvolumen bleibt mit rund 150 Millionen Franken sehr hoch. Der Steuerfuss soll nach der Vorstellung des Gemeinderates ab dem Jahr 2026 darum bis auf 120 Prozent (heute: 113%) steigen. Die Verschuldung wird auf rund 133 Millionen wachsen.

Im Namen der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) hob Dieter Stäger (FDP) deshalb den Mahnfinger: «Wir sind auf einem ungünstigen Weg. Die FGPK war schon beim letzten Finanzplan kritisch. Wir appellieren an den Gemeinderat, wieder etwas kostengünstiger und effizienter zu werden.»

Steuerfuss Gemeinde Wohlen bis 2030

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Zur Kenntnis genommen wurde ausserdem nach längerer Debatte die Eigentümerstrategie der IB Wohlen AG für die Jahre 2021/22 und die Antwort auf die Anfrage betreffend Grundwasserfassung Eichholz. Klar abgelehnt wurde die Überweisung eines Postulats von SP-Einwohnerrätin Laura Pascolin für ein neues kulturelles Gemeinschaftszentrum im Wohler Chappelehof (4 Ja, 32 Nein).