Ballonwettbewerb vor 26 Jahren – jetzt trifft die Absenderin auf die Finderin

Zur 75-Jahr-Feier der Klinik St. Anna liessen im Jahr 1993 Kinder 1000 Ballone steigen. Rund ein Vierteljahrhundert später findet eine Frau eine Karte in den Glarner Alpen.

Roger Rüegger
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Sara Vock liess 1993 in Luzern einen Ballon steigen. Angi Ruggiero fand den Talon 2018 im Glarnerland. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 25. Oktober 2019)

Sara Vock liess 1993 in Luzern einen Ballon steigen. Angi Ruggiero fand den Talon 2018 im Glarnerland. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 25. Oktober 2019)

Wie aus heiterem Himmel erreicht Sara Vock im Juli dieses Jahres via soziale Medien eine Nachricht einer ihr unbekannten Frau. Eine Anna Meyer will von ihr wissen, ob sie 1993 am Tag der offenen Tür der Klinik St. Anna Luzern an einem Ballonwettbewerb mitgemacht hat.

Die heute 32-jährige Luzernerin mit Wohnort in Zürich sitzt am Freitagmorgen in der Cafeteria eben dieser Klinik. Sie diskutiert bei Kaffee und Gipfeli mit einigen Frauen und einem Mann. Darunter auch Anna Meyer. Die Runde fällt auf. Einerseits durch angeregte Gespräche, vor allem aber durch farbige Ballons, die an Schnüren über den Leuten schweben.

Die damals Sechsjährige ist heute Kinderärztin

Wir nehmen es vorne weg: Sara Vock hat damals tatsächlich einen Ballon losgeschickt. «Meine Schwester und ich waren an besagtem Tag anwesend. Wir sind beide hier zur Welt gekommen, deshalb kehren wir gerne an diesen Ort zurück. Für mich ist die Klinik auch etwas Besonderes, weil ich selber Kinderärztin bin», erklärt Vock, die im Kinderspital Zürich praktiziert.

An den Ballonwettbewerb erinnert sie sich nicht mehr. Umso grösser ist ihre Freude, dass der Ballon, beziehungsweise der Talon, nach so vielen Jahren zum Vorschein gekommen ist. Gefunden hat ihn Angi Ruggiero (55) aus Näfels. Sie ist im Frühling und Sommer Gastgeberin der Claridenhütte im Glarnerland. «Das genaue Datum weiss ich nicht mehr. Es war im September des letzten Jahres, als ich beim Claridenfirn auf 2700 Meter Höhe über Meer etwas abseits eines Wanderwegs einen Karton am Boden entdeckte. Der Talon war wie plastifiziert, weshalb die Adresse der Klinik St. Anna und die Beschreibung des Wettbewerbs noch gut lesbar waren», sagt Ruggiero. «Ich musste nur den Karton in einen Briefkasten werfen. Frankiert war er bereits.»

Als die Karte in der Post der Klinik St. Anna lag, ging die Kommunikationsabteilung mit Lukas Hadorn und Anna Meyer der Geschichte auf den Grund. Meyer nahm als eine ihrer ersten Aufgaben im neuen Job die Recherche nach der Wettbewerbsteilnehmerin auf. «Ich hatte Glück. Der Name in Verbindung mit Luzern ergab auf einer bestimmten Plattform einen Treffer. Bald erhielt ich Antwort auf meine Anfrage. Daraufhin sendete ich Sara ein Bild des Wettbewerbstalons.»

Sara Vock ergänzt: «Weil ich damals sechs Jahre alt war, füllte ich den Talon nicht selber aus. Aber ich erkannte auf dem Foto die Handschrift meiner Mutter.» Somit war alles klar. Den ersten Preis kann Sara Vock aber nicht einheimsen. «Für den Ballon, der die weiteste Distanz zurück gelegt hatte, gab es ein Kindervelo zu gewinnen. Dieses haben wir damals bald einem Kind übergeben, dessen Ballon in 112 Kilometer Entfernung gefunden wurde», sagt Hadorn.

Schwester Fabiola (64), die seit 1976 in der Klinik arbeitet, erinnert sich gut an den Tag der offenen Tür am 28. August 1993. Es waren sehr viele Leute hier, und es hat stark geregnet. Laut einem Artikel der Luzerner Zeitung vom 30. August 1993 haben sich «an diesem verregneten Samstag 4500 Interessierte eingefunden».

Anstelle eines Kindervelos gibt es eine Ballonfahrt

Die Reise des Ballons der Medizinerin endete nach rund 75 Kilometern. Leer geht sie dennoch nicht aus. Und auch die Finderin erhält einen Preis. Das St. Anna schenkt beiden Frauen eine – was wohl – Ballonfahrt.

Die Klinik hätte den Preis gerne getoppt. «Wir haben beim Anbieter der Ballonfahrt angefragt, ob es möglich sei, die Claridenhütte als Ziel zu definieren.» Der Pilot habe diese Erwartung jedoch gebremst. Doch das ist ein Detail. Die Frauen werden, wenn zeitlich möglich, die Reise gemeinsam antreten.

Für Sara Vock war der Fund nach 26 Jahren zwar eine Wahnsinnsüberraschung, ganz auf dem linken Fuss wurde sie aber nicht erwischt. Sie sagt wie beiläufig: «Schon 1992 liess ich bei einem Wettbewerb der Stadtbibliothek einen Ballon steigen. Dieser wurde beim Mont Blanc gefunden. Ich gewann damals ein Kinderbuch.»

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