Klimawandel
«2050 wird der Wald ein anderer sein» – so sehen die Luzerner Wälder der Zukunft aus

Ein Rundgang im Beromünsterer Chüewald zeigt, wie der heimische Wald den Herausforderungen des Klimawandels trotzen kann. Regierungsrat Fabian Peter will mit der «Offensive Holz» die Waldwirtschaft wieder attraktiv machen.

Salome Erni
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Hohe Fichten, darunter nichts als Brombeergestrüpp: Diesen Anblick gibt es auch im Chüewald in Beromünster. Doch eben nicht nur. Denn hier wird auf eine zukunftsorientierte Waldbewirtschaftung Wert gelegt. Der Luzerner Wald gerät durch den Klimawandel unter Druck, reine Fichtenbepflanzungen leiden dabei besonders. Bruno Röösli sagt:

«In den Wäldern herrschte in den letzten Jahren Ausnahmezustand.»

Der Abteilungsleiter bei der kantonalen Dienststelle für Landwirtschaft und Wald (Lawa) erklärt auf einem Rundgang im Chüewald, wie sich der Klimawandel auf die heimischen Wälder auswirkt: Weniger Bodenfrost im Winter, höhere Durchschnittstemperaturen, längere Trockenzeiten und Stürme. Dadurch gibt es eine höhere Waldbrandgefahr, mehr Schädlinge wie den Borkenkäfer aber auch direkte Schäden durch die Wetterextreme.

Dies bestätigt Robert Suter, Förster und Geschäftsführer der Korporation Beromünster:

«In den letzten Jahren rannten wir durch den Wald wie die Feuerwehr. Wir waren nur noch am reagieren. Die Schäden am Wald gaben vor, welche Bäume wir zu fällen hatten.»
Förster Robert Suter von der Korporation Beromünster in «seinem» Wald.

Förster Robert Suter von der Korporation Beromünster in «seinem» Wald.

Bild: Eveline Beerkircher (Beromünster, 18. August 2021)

Trotzdem kann er auf vier Hektaren zeigen, wie der Wald für die Zukunft gerüstet wird. Dort betreibt die Korporation einen sogenannten «Dauerwald», wo so geholzt wird, dass keine grossen Freiflächen entstehen.

Mehr Laubbäume gegen den Klimawandel

Ziel ist es, dass sich der Wald somit von selbst verjüngt. Das heisst, nicht zu pflanzen, sondern natürlich gewachsene Bäume zu fördern. Solche Bäume seien einfach robuster. Um die heimischen Wälder an den Klimawandel anzupassen, werden Eichen, Linden, Kastanien, Kirschen, Ahorne oder Douglasien immer wichtiger. Diese Sorten kommen besser mit den klimatischen Bedingungen der Zukunft zurecht. «Das wird unser neuer Wald sein», erklärt Marcel Gigon, Fachbearbeiter Waldnutzung beim Lawa: «Vor zehn Jahren wuchsen Eichen bis etwa 600 Meter über Meer. Heute kann man sie auch auf 1000 Meter über Meer pflanzen», nennt er ein Beispiel für die Veränderung der Waldzusammensetzung aufgrund des Klimawandels.

Marcel Gigon, Fachbearbeiter Waldnutzung beim Lawa, zeigt Regierungsrat Fabian Peter einen neu gepflanzten Baum im Chüewald.

Marcel Gigon, Fachbearbeiter Waldnutzung beim Lawa, zeigt Regierungsrat Fabian Peter einen neu gepflanzten Baum im Chüewald.

Bild: Evelyne Beerkircher (Beromünster, 18. August 2021)

Trotzdem ist es gerade bei grossen Schadenflächen nach Stürmen oder Käferbefall nötig, gezielt Bäume anzupflanzen. Solche Massnahmen sind um ein Vielfaches teurer als die natürliche Verjüngung. Doch die Fläche, die jährlich bepflanzt werden muss, hat bereits um rund die Hälfte zugenommen.

Waldwirtschaft kaum kostendeckend

Die höheren Kosten für diesen Aufwand stehen in keinem Verhältnis zu den tiefen Holzpreisen. Eine anspruchsvolle Situation für die 11'000 Luzerner Waldeigentümer. Obwohl sie den Aufwand für die Pflege tragen, hat der Wald vielfältige Nutzungsgruppen. Er ist ein Refugium für Tiere, dient als Joggingrunde, Biketrail oder Kinderspielplatz und hat als CO2-Speicher auch einen direkten Einfluss auf den Klimawandel.

Regierungsrat Fabian Peter initiierte die «Offensive Holz»

Regierungsrat Fabian Peter initiierte die «Offensive Holz»

Bild: Evelyne Beerkircher (Beromünster, 18. August 2021)

Um der Problematik entgegenzuwirken, initiierte Regierungsrat Fabian Peter, Vorsteher des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements die «Offensive Holz». In diesem Frühling startete das Projekt. Der FDP-Regierungsrat sagt:

«Der Holzerlös soll die Kosten der Waldpflege decken können und so auch kleine Eigentümer motivieren, ihren Wald nachhaltig zu bewirtschaften.»

Peter ergänzt: «Indem wir die die gesamte Holzkette fördern, wird regionale Wertschöpfung generiert und die Waldwirtschaft wieder attraktiv». Der Kanton Luzern als Standort von innovativen Unternehmen wie dem Hochdorfer Tschopp Holzbau oder der Menznauer Swiss Krono sei bereits gut auf Kurs.

Holz statt Plastik im Wildschutz

Der Kanton Luzern unterstützt ausserhalb der «Offensive Holz» die Waldwirtschaft in den Bereichen Jungwaldpflege, Biodiversität und Schutzwald finanziell. Ausserdem fördert er die Zusammenarbeit der Waldeigentümer in regionalen Organisationen, die Bewirtschaftungsstrategien und Massnahmen für die Zukunft übergreifend und grossflächig anpacken. Die grösste Organisation ist Wald Seetal-Habsburg, wo auch die Korporation Beromünster Mitglied ist.

Davon zeugt beispielsweise ein Projekt, das am Ende des Rundgangs im Chüewald zu sehen ist. Noch junge Bäume, die auch den zukünftigen Klimaverhältnissen trotzen können, werden dort mit Wildschützen aus Holz umgeben. Dies ist eine koordinierte Massnahme, um den Gebrauch von Plastik zu minimieren, gleichzeitig die Holzwirtschaft zu stärken und den Luzerner Wald fit für die Zukunft zu machen. Denn wie Regierungsrat Fabian Peter feststellt: «2050 wird der Wald ein anderer sein.»

Beitrag: Tele 1

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