Schulbeginn
Per «Pedi-Bus» zur Schule: In Kriens engagieren sich immer weniger Eltern – nun sucht die Schule Freiwillige

Mit dem Pedi-Bus werden Kinder von Erwachsenen auf dem Schulweg begleitet. Das System hat sich schweizweit bewährt. Doch berufstätige Eltern können sich kaum freiwillig engagieren. Die Stadt Kriens prüft nun, ob die Schule in die Bresche springen kann.

Hugo Bischof
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Der Pedibus: Kinder werden von Erwachsenen zur Schule begleitet.

Der Pedibus: Kinder werden von Erwachsenen zur Schule begleitet.

Sandra Hildebrandt/Keystone

Zwei, drei Erwachsene, die eine Gruppe von Kindern in leuchtenden Schutzwesten zu Fuss über die Strassen führen: Das ist der Pedi-Bus. Wenn übernächste Woche die Schule beginnt, wird man diesem «Bus auf Füssen» für vier- bis achtjährige Kinder wieder vermehrt begegnen.

Pedi-Busse, bei denen die Kinder auf einer festgelegten Route an fixen Haltestellen auf dem Schulweg und Heimweg abgeholt werden, organisieren die Eltern in der Regel selber. Es braucht dafür genügend Eltern, die bereit sind und Zeit haben, sich ehrenamtlich zu engagieren. Und da hapert es zurzeit offenbar immer mehr – auch in der Stadt Kriens.

«Grundsätzlich ist der Schulweg im Verantwortungsbereich der Eltern», heisst es in einem Beitrag auf der Website der Stadt Kriens.

«Die Volksschule Kriens merkt aber zunehmend, dass Familien mit berufstätigen Eltern damit an Grenzen stossen. Dazu hat die Bereitschaft von Eltern für dieses ehrenamtliche Engagement merklich nachgelassen.»

Deshalb springe die Schule da und dort ein «und organisiert die Pedi-Bus-Linie im Rahmen der Tagesstrukturen selber».

Für einige Krienser Schüler wird der Schulweg länger

Aktuell wird das Thema jetzt im Zusammenhang mit der Aufhebung des Schulhauses Bleiche. Weil das Kleinschulhaus unverhältnismässig hohe Kosten in Betrieb und Unterhalt verursachte, hatte die Stadt Kriens dessen Schliessung beschlossen. Die Bleiche-Kinder gehen nun neu im Schulhaus Grossfeld zur Schule. «Die Klassen können zwar zusammenbleiben», schreibt die Stadt Kriens. «Der Schulweg wird aber für einige Kinder länger. Und er bringt die Überquerung der Schachen- und der Luzernerstrasse mit sich.»

Die Volksschule Kriens sei sich dieser Situation bewusst. Sie wolle Kinder, Eltern und alle Verkehrsteilnehmenden für die neue Situation sensibilisieren. Sie sieht aber auch Chancen darin, weil der Schulweg ein wichtiges Element des Lernprozesses sei.

Ob die Volksschule via Tagesstrukturen ein Pedi-Bus-System organisieren werde, sei noch offen, sagt Stadtrat Marco Frauenknecht (Bildungs- und Kulturdepartement): «Wir setzen zuerst auf die Eigeninitiative der Eltern.»

Mit einer Informations-Offensive wolle man auf die Problematik aufmerksam machen, so Frauenknecht. Im Übrigen sei die Verkehrssicherheit im betreffenden Perimeter durch Fussgängerstreifen sowie Ampelanlagen «so gut wie möglich sicher gestellt.»

Über 1500 Pedi-Busse in der ganzen Schweiz

Das System Pedi-Bus hat sich in den letzten Jahren schweizweit verbreitet und ist ein bewährtes Mittel zur Erhöhung der Schulwegsicherheit. Es soll vor allem auch verhindern, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto («Eltern-Taxi») zur Schule fahren. Gemäss dem Bericht der Stadt Kriens werden Pedi-Bus-Linien heute schweizweit in weit über 1500 Fällen umgesetzt. Der Pedi-Bus soll den Kindern erlauben, Schritt für Schritt die nötige Sicherheit zu erlangen, um den Schulweg später selbständig bewältigen zu können. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) stellt für die Dauer von 18 Monaten gratis eine erneuerbare Unfallversicherung für die Begleitpersonen zur Verfügung.

Gemäss Frauenknecht macht Kriens mit bereits bestehenden Pedi-Bus-Linien gute Erfahrungen. So etwa kommen Kinder, die im Schappe-Quartier wohnen, bereits heute mit einem Pedi-Bus ins Grossfeldschulhaus. «Und sie haben dabei selbst so anspruchsvolle Situationen wie die Verzweigung Luzerner-/Quellen-/Fenkernstrasse zu meistern», sagt Frauenknecht.

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