Altersheim
Neun Corona-Tote im Giswiler Heim: Jetzt ermittelt die Polizei

Die Staatsanwaltschaft will den Vorwürfen auf den Grund gehen. Ein Verfahren wird möglicherweise nach polizeilichen Ermittlungen eröffnet. Als Rechtsgrundlage gilt die Covid-Verordnung.

Florian Arnold
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Das Alterszentrum Dr Heimä in Giswil.

Das Alterszentrum Dr Heimä in Giswil.

Bild: Archiv Obwaldner Zeitung

Im Alterszentrum Dr Heimä in Giswil sind in den vergangenen Tagen neun Menschen verstorben, bei denen eine Covid-Infektion festgestellt wurde. Der Vorwurf steht im Raum, dass im Heim bewusst auf das Tragen von Masken verzichtet wurde. Die Staatsanwaltschaft Obwalden bestätigt nun auf Anfrage, dass man vom Fall Kenntnis hat. «Aufgrund der Berichterstattung wurde ein polizeiliches Ermittlungsverfahren eingeleitet, das den Vorwürfen auf den Grund geht.» Von Amtes wegen werde man aktiv, da es sich um Offizialdelikte handle. Bei der Staatsanwaltschaft wurde hingegen noch kein Verfahren eröffnet. «Ob es zu einem solchen kommen wird, werden die Ermittlungen der Polizei zeigen.»

«Wir sind über die inzwischen neun Todesfälle alle sehr betroffen und den Hinterbliebenen gilt unser tiefstes Mitgefühl und Anteilnahme», sagt Olivier Gerber, Leiter des Gesundheitsamts Obwalden, auf Anfrage. «Uns ist inzwischen bekannt, dass auf das Tragen der Hygienemasken in den Innenräumen verzichtet wurde.» Das Tragen der Gesichtsmaske sei allerdings gemäss der Covid-19-Verordnung eine Pflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen sowie im Umgang mit den betreuten Personen.

Eine Expertise im vorliegenden Fall will der Rechtsdienst von Obwalden nicht abgeben. Dazu habe man keinen Auftrag, wie es auf Anfrage heisst. Verwiesen wird aber ebenfalls auf die Covid-Verordnung: Institutionen wie ein Altersheim können nach Rücksprache mit der zuständigen kantonalen Behörde (Kantonsarzt) in ihren Schutzkonzepten vorsehen, dass geimpfte und genesene Bewohnerinnen und Bewohner von dieser Pflicht ausgenommen sind. «Nicht aber Mitarbeitende dieser Einrichtungen.» Für den Umgang in den Zimmern (dem nicht öffentlichen Bereich) muss jedes Altersheim über ein Schutzkonzept verfügen. «Dieses muss Massnahmen vorsehen, die einen wirksamen Schutz vor einer Ansteckung mit Covid-19 sicherstellen», wird aus der Verordnung zitiert.

«Da nach der Verordnung ein erhöhtes Ansteckungsrisiko gegeben ist, wenn während mehr als 15 Minuten die Distanz von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, ist die Maskenpflicht insbesondere bei Pflegeleistungen, wo diese Voraussetzungen erfüllt sind, für das Personal Pflicht.» Dies ergibt sich auch aus der Verordnung, wonach Arbeitgeber gewährleisten müssen, dass die Mitarbeitenden die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) betreffend Hygiene und Abstand einhalten.

Als eine Konsequenz nach den Vorfällen sei das Alters- und Pflegeheim für das Publikum geschlossen worden, um eine Verbreitung des Virus nach aussen möglichst einzuschränken, erklärt Olivier Gerber. «Das Gesundheitsamt würde Vorschriften zum Betrieb erlassen, falls sich zeigen sollte, dass die erforderlichen Massnahmen zur Verbreitung innerhalb des Alters- und Pflegeheimes nicht getroffen wurden», so Gerber weiter. «Eine Schliessung wäre nicht im Sinne der Bewohner und der medizinischen Versorgung. Es sind weitere Auflagen denkbar, allerdings ist es vielmehr unser Ziel, das Alters- und Pflegeheim in den anstehenden Herausforderungen im Sinne der Bewohner zu unterstützen.»

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