Melchsee-Frutt
Nach Kampfjet-Absturz: 500 Tonnen mit Kerosin belastetes Erdreich wurde abgetragen – Sanierung abgeschlossen

Das Gelände auf der Melchsee-Frutt, auf welchem am 26. Mai 2021 ein Kampfflugzeug Tiger F-5 der Schweizer Luftwaffe abgestürzt war, ist saniert. Das mit Kerosin belastete Erdreich ist abgetragen und mit einer Materialseilbahn quer über den Melchsee abtransportiert worden.

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Am Montag, 27. September, wurde die Sanierung von den zivilen Behörden und dem Landeigentümer abgenommen und das instandgestellte Gelände dem Eigentümer übergeben, heisst es in einer Mitteilung. Im Verlaufe der Sanierungsarbeiten wurde das mit Kerosin belastete Erdreich – es waren rund 500 Tonnen – vollständig entfernt. Deshalb sei ein Eintrag der Absturzstelle in den Kataster der belasteten Standorte nicht notwendig.

Während der Instandstellungsarbeiten war an der Absturzstelle eine rund sieben Meter tiefe Grube entstanden, die mit Erde aus der Region Melchsee-Frutt wieder aufgefüllt wurde. Mitte September wurde die Stelle mit einer Samenmischung neu angesät. Auch die während der Sanierung beanspruchten Flächen wurden wieder instandgesetzt. Bei allen Arbeiten kamen zum grössten Teil regionale und lokale Unternehmer zum Zug, heisst es weiter. Die Unterstützung der kantonalen Behörden, des Elektrizitätswerks Obwalden und der Korporation Kerns habe massgeblich zum Erfolg der Sanierungsarbeiten beigetragen.

Für den Abtransport wurde eine Materialseilbahn eingerichtet.

Für den Abtransport wurde eine Materialseilbahn eingerichtet.

Bild: PD

Die Absturzstelle war nur über einen Fussweg erreichbar. Um Flurschäden möglichst zu vermeiden und um die Tourismusaktivitäten rund um den Melchsee nicht zu beeinträchtigen, erfolgte der Abtransport mit einer Materialseilbahn. Diese transportierte das verunreinigte Material quer über den Melchsee bis zur befestigten Strasse, von wo aus es mit Lastwagen entsorgt wurde.

Der Absturz am 26. Mai 2021 hatte keinen Personenschaden verursacht, jedoch wurde die Absturzstelle mit Kerosin verunreinigt. Ende Mai lag beim Melchsee auf rund 1900 Meter über Meer noch so viel Schnee, dass mit dem Beginn der Bodensanierung bis Mitte Juni zugewartet werden musste. (fmü)

Video: PilatusToday
Die Absturzstelle auf der Melchsee-Frutt.
21 Bilder
Die Absturzstelle auf der Melchsee-Frutt.
Der Pilot löste den Schleudersitz aus.
Die Absturzstelle auf der Melchsee-Frutt.
Die Absturzstelle auf der Melchsee-Frutt
Die Absturzstelle befindet sich nur wenige hundert Meter entfernt bei der Bergstation.
Die Polizei hat die Bergstrasse vom Melchtal nach Melchsee Frutt vorübergehend gesperrt.
Nach dem Absturz eines Tiger-F5-Kampfjet auf der Melchsee-Frutt im Kanton Obwalden sperrt die Polizei die Strasse.
Angehörige der Militärpolizei zusammen mit Polizisten der Kantonspolizei Obwalden bei der Talstation der Sportbahnen Melchsee-Frutt in der Stöckalp oberhalb von Kerns.
Die Schweizer Armee fliegt Bergungsmaterial vom Melchtal zum Absturzgelände auf Melchsee-Frutt.
Zum Einsatz kommt ein Super-Puma der Armee.
Der Super Puma fliegt Bergungsmaterial vom Melchtal zum Absturzgelände.
Die Schweizer Armee fliegt am Samstag nach dem Absturz Trümmerteile des Tiger Kampfjets von der Melchsee Frutt auf die Stöckalp im Melchtal im Kanton Obwalden.
Die Teile wurden nach Buochs geflogen.
Die Armee im Einsatz in Obwalden.
Ein Superpuma der Schweizer Armee war im Einsatz.

Die Absturzstelle auf der Melchsee-Frutt.

Bild: Militärpolizei

Die schwersten Unfälle der Schweizer Luftwaffe

12. September 2017: Eine PC-7 der Schweizer Luftwaffe stürzt bei einem Trainingsflug von Payerne nach Locarno in den Berner Alpen am Schreckhorn ab. Der Pilot wurde noch nicht gefunden.

17. Februar 2017: Ein Flugzeug der PC-7-Fliegerstaffel der Schweizer Luftwaffe zertrennt an der WM in St. Moritz das Zugseil einer SRF-Seilbahnkamera. Die Kamera fällt in den Zielraum. Verletzt wurde niemand. Das Verfahren gegen den Piloten wurde eingestellt. Gegen den Ex-Team-Leader der Patrouille Suisse läuft noch eine Anklage.

28. September 2016: Ein Super Puma der Schweizer Luftwaffe stürzt auf dem Gotthardpass ab und gerät in Brand. Die beiden Piloten sterben, der Flughelfer wird verletzt.

29. August 2016: Ein F/A-18-Kampfjet zerschellt im Gebiet des Sustenpasses an einem Berggipfel. Der Pilot wird tot geborgen. Der Flugverkehrsleiter hatte eine zu tiefe Flughöhe angeordnet.

9. Juni 2016: Ein F5 Tiger – wie jener auf der Melchsee-Frutt – stürzt beim Training der Patrouille Suisse für eine Flugshow bei Leeuwarden in den Niederlanden ab. Der Pilot kann sich mit dem Schleudersitz retten und wird leicht verletzt. Anfang Jahr hat die Militärjustiz gegen den Piloten Anklage erhoben.

14. Oktober 2015: Eine zweisitzige F/A-18 stürzt im gemeinsamen Trainingsraum mit Frankreich südöstlich von Besançon ab. Der Pilot wird verletzt. Vergangenen Dezember wird er vom Militärgericht vom Vorwurf des Missbrauchs und Verschleuderung von Material freigesprochen.

23. Oktober 2013: Im Raum Alpnachstad OW zerschellt eine zweisitzige F/A-18 am Lopper. Der Pilot und der Passagier, ein Arzt des fliegerärztlichen Instituts, werden getötet.

30. März 2011: Ein Helikopter des Typs Super Puma stürzt im Urner Maderanertal während eines Ausbildungsflugs im Nebel ab. Der Fluglehrer und sein Schüler werden schwer verletzt.

12. November 2002: Ein PC-7 kollidiert bei Bonaduz GR mit dem Seil der Luftseilbahn Rhäzüns-Feldis. Zwei Milizoffiziere kommen ums Leben.

12. Oktober 2001: Oberhalb von Crans-Montana VS touchiert ein Alouette-III-Helikopter ein Kabel und geht beim Aufprall in Flammen auf. Die vier Insassen kommen ums Leben.

25. Mai 2001: Bei einem Grenzüberwachungsflug touchiert eine Alouette III bei Delsberg JU ein Kabel und stürzt ab. Der Pilot und drei Grenzwächter werden tödlich verletzt.

14. Oktober 1998: Zwei Trainingsflugzeuge des Typs PC-9 stossen in der Luft zusammen. Während die eine Maschine landen kann, zerschellt die andere bei Oberuzwil SG. Der Pilot stirbt.

7. April 1998: Beim Absturz eines F/A-18-Doppelsitzer-Kampfjets bei Crans VS werden beide Insassen getötet.

12. November 1997: Ein Pilatus-Porter PC-6 stürzt bei schlechtem Wetter in der Nähe von Boltigen BE ab. Der Pilot und vier Soldaten sterben.

20. März 1997: Eine Mirage III RS stürzt bei einem Aufklärungsflug im Raum Ste-Croix VD ab. Der Pilot kommt ums Leben.

4. Juli 1996: Ein Kampfjet Tiger F-5E bohrt sich in Schänis SG nach einem unbeabsichtigten Schleudersitzabschuss in den Boden. Der Pilot überlebt.

22. Juni 1994: Ein ziviler Bell-Jet-Ranger-Helikopter stösst am Unteren Mönchsjoch mit dem Fahrwerk eines Super Puma der Armee zusammen und stürzt ab. Ein britisches Ehepaar und der Pilot kommen ums Leben.

15. April 1994: Beim Absturz eines PC-6-Trainingsflugzeugs am Stockhorn bei Thun BE wird ein Werkpilot des Bundes getötet.

27. April 1993: Eine Maschine des Typs PC-6 stürzt im Gebiet des Finsteraarhorns bei Grindelwald BE ab. Dabei sterben der Pilot und zwei mitfliegende Mechaniker.

22. Oktober 1991: Ein Pilot wird bei einem Helikopterabsturz auf dem Flugplatz Dübendorf ZH getötet. Die Alouette III geriet unmittelbar nach dem Start in eine Drehbewegung und schlug auf dem Boden auf.

(jwe)

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