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Bange Stunden in Kerns: Person verschanzte sich in Bauernhaus

Ein Grosseinsatz in Kerns hielt am Donnerstagnachmittag die Bevölkerung in Atem: Im Gebiet Sand hatte sich laut der Obwaldner Kantonspolizei eine Person in einem Haus verschanzt. Erst nach mehreren Stunden konnte der Mann überwältigt werden.

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In diesem Haus hielt sich die Person verschanzt.

In diesem Haus hielt sich die Person verschanzt.

Bild: Adrian Venetz (Kerns, 2. April 2020)

(dvm/ve/pd) In der Gemeinde Kerns im Kanton Obwalden rückte die Polizei am Donnerstagnachmittag zu einem Grosseinsatz aus, wie die Obwaldner Kantonspolizei am frühen Donnerstagabend entsprechende Medienberichte bestätigte.

Eine Person hatte sich zuvor in einem Gebäude verschanzt. Im Einsatz befanden sich mehrere Beamte in Vollmontur, wie Fotos von «Blick»-Lesern zunächst zeigten.

Einsatzkräfte der Polizei auf der abgesperrten Aecherlistrasse im Kernser Ortsteil «Sand».

Einsatzkräfte der Polizei auf der abgesperrten Aecherlistrasse im Kernser Ortsteil «Sand».

Bild: Adrian Venetz (Kerns, 2. April 2020)

Beim betroffenen Haus handelt es sich um die Liegenschaft «Bergblick» oberhalb des Kernser Ortsteils «Sand», wie ein Augenschein vor Ort zeigte. Die Aecherlistrasse wurde aus Sicherheitsgründen auf Höhe der dort befindlichen Kapelle gesperrt. Für die Bevölkerung bestand laut Polizeiangaben keine Gefahr. Im Haus befanden sich offenbar auch keine weiteren Personen.

Gebiet «Sand» bei Kerns OW

Im Einsatz befanden sich laut Marco Niederberger von der Kantonspolizei Obwalden auch Einsatzkräfte des Zentralschweizer Polizeikonkordats. Wie viele es waren, wollte die Polizei aus einsatztaktischen Gründen nicht bekannt geben. Auch die Feuerwehr war zur Unterstützung vor Ort. Sie halfen den Rettungskräften Zugang zum Haus zu verschaffen.

Mit einer Drehleiter verschaffte sich die Feuerwehr über eine Lukarne Zugang zum Dachstock des Hauses.

Mit einer Drehleiter verschaffte sich die Feuerwehr über eine Lukarne Zugang zum Dachstock des Hauses.

Bild: Adrian Venetz (Kerns, 2. April 2020)

Eine Schusswaffe befand sich keine im Haus, wie Marco Niederberger von der Kantonspolizei Obwalden vor Ort auf Anfrage sagte. Deshalb hätten sich Einsatzkräfte sehr nahe am Haus bewegen und sich mit dem Mann durch Zurufe verständigen können. Oberstes Ziel sei es gewesen, Verletzte zu vermeiden. Gemäss Niederberger war der Mann polizeilich bekannt.

Wie Christoph Fries, Leiter der Obwaldner Kriminalpolizei und des gesamten Einsatzes, später schriftlich mitteilte, handelte es sich beim Mann um einen 29-jährigen abgewiesenen Asylbewerber aus Afghanistan mit dem Status «vorläufig aufgenommen». Kurz vor 14 Uhr sei ein Notruf eingegangen, dass der besagte Mann seinen Vermieter und andere Personen mit einem Fleischermesser bedrohe. Die Polizei rückte daraufhin aus und umstellte das Haus. Zunächst wurde die Strasse abgesperrt und die bedrohten Personen evakuiert. Der Mann verschanzte sich daraufhin in der obersten Etage des Gebäudes.

Nach einer Belagerung und Verhandlungsphase von rund sechs Stunden konnte der Asylbewerber laut der Polizei kurz vor 20 Uhr überwältigt und verhaftet werden. Dabei wurde er mittelschwer verletzt und zur Kontrolle ins Spital überführt. Einsatzkräfte wurden keine verletzt.

Im Einsatz standen neben der Kantonspolizei Obwalden die Interventionseinheit Luchs und die Verhandlungsgruppe des Zentralschweizerischen Polizeikonkordats, die Stützpunktfeuerwehr Sarnen, die Gemeindefeuerwehr Kerns, der Rettungsdienst und der Zivilschutz des Kantons Obwalden.

Der genaue Hergang der Geschehnisse und Hintergründe werden durch die Kantonspolizei Obwalden und die Staatsanwaltschaft Obwalden abgeklärt.

Beitrag vom Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 vom 3. April 2020:

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