Sarnen erlebt die erste Klimademo

Die Klimademos sind auf dem Land angekommen. Rund 100 Personen zogen vom Sarner Gemeindehaus auf den Dorfplatz. In Ansprachen machten die Klimaaktivisten auf ihre Anliegen aufmerksam.

Martin Uebelhart
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Unterwegs in Richtung Dorfplatz: Demonstration für das Klima. (Bild: Martin Uebelhart, Sarnen, 6. April 2019)

Unterwegs in Richtung Dorfplatz: Demonstration für das Klima. (Bild: Martin Uebelhart, Sarnen, 6. April 2019)

Es ist ein buntes Trüppchen, das sich am späten Samstagvormittag vor dem Sarner Gemeindehaus einfindet. Leute jeden Alters sind zu entdecken, besonders viele junge Menschen sind darunter. Mitorganisator Urs Joller aus Sarnen begrüsst die Demonstrierenden per Megafon. «Wir ziehen jetzt zum Zentrum der Macht!», befand der 20-jährige Student. Der Zug setzt sich auf einer Hälfte der Brünigstrasse in Bewegung und nimmt die kurze Strecke in Angriff. Vom Gemeindehaus bis zum Rathaus auf dem Dorfplatz sind es keine 300 Meter.

Die ganz unterschiedlichen Reaktionen am Strassenrand lassen nicht lange auf sich warten. Passanten beobachten den Umzug, machen Fotos oder applaudieren spontan. Ein Mann meint im Vorbeigehen: «Die haben doch einen ‹Eggä› ab. Die sollen besser etwas Schlaues lernen in der Schule.» Die rund 100 Leute ziehen ihres Weges und skandieren immer wieder Parolen, währenddessen der Autoverkehr in Richtung Dorfzentrum an Demonstranten und Transparenten vorbeirollt.

Abschlusskundgebung vor dem Rathaus

Beim Rathaus angekommen bringen einige Teilnehmer ein Transparent oben an der Treppe an. «Obwalden braucht Veränderung: Gegen die Klimakrise! Für unsere gemeinsame Zukunft!» steht darauf geschrieben. «Wir stehen vor der grössten Prüfung, mit der die Menschheit je konfrontiert worden ist», sagt Alejandro Escalera bei der Abschlusskundgebung. Der 20-jährige Sarner hat eine Lehre als Konstrukteur gemacht und wird im Sommer die Berufsmatura abschliessen. Der Klimawandel mache vor niemandem Halt ob jung oder alt, arm oder reich, links oder rechts. «Die Auswirkungen der Klimakatastrophe werden wir alle spüren», ruft er den Zuhörerinnen und Zuhörern zu. Es freue ihn besonders, dass Leute aus der ganzen Bevölkerung gekommen seien, um gemeinsam gegen die derzeitige Klimapolitik zu demonstrieren.

Am Rathaus wird ein Transparent befestigt. (Bild: Martin Uebelhart, Sarnen, 6. April 2019)

Am Rathaus wird ein Transparent befestigt. (Bild: Martin Uebelhart, Sarnen, 6. April 2019)

Mitorganisator Urs Joller ist nach der Kundgebung positiv überrascht: «Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass wir so viele Leute mobilisieren können.» Die Organisatorinnen und Organisatoren haben sich bisher vor allem bei den Klimastreik-Demos in Luzern engagiert. «Uns ist es wichtig, dass wir nicht als eine Bewegung wahrgenommen werden, die von Studentinnen und Studenten aus der Stadt getragen wird. Die Bewegung hat ihre Wurzeln im ganzen Land, auch in kleineren Orten wie Sarnen, Giswil oder Sachseln. Wichtig sei ihnen den Obwaldner Politikern aufzuzeigen, dass sie sich nicht hinter dem Lopper verstecken könnten. Das Klima kenne keine Grenzen und es brauche Anstrengungen der Politik auf jeder Ebene, von kommunal bis national. Sie solle sich dem Ziel der Klimaaktivisten anschliessen, die CO2-Emissionen bis im Jahr 2030 auf netto null zu beschränken. Mit Blick auf den Kanton Obwalden sei ein Ausbau des Angebots im öffentlichen Verkehr wichtig, «damit zum Beispiel mehr Leute die Möglichkeit haben, auf ein Auto zu verzichten. «Es muss auch auf dem Land möglich sein, ein ökologisches und umweltverträgliches Leben zu führen. Es darf nicht sein, dass das ein Luxus ist, den sich nur Stadtbewohner leisten könnten.

Abschlusskundgebung auf dem Dorfplatz. (Bild: Martin Uebelhart, Sarnen, 6. April 2019)

Abschlusskundgebung auf dem Dorfplatz. (Bild: Martin Uebelhart, Sarnen, 6. April 2019)

Etwas komplizierter als in der Stadt sei die Organisation der Demo gewesen, weiss Urs Joller. Bei der Gemeinde habe man mit solchen Veranstaltungen nicht so viel Erfahrung, meinte er. Aber es habe dann doch noch alles geklappt, windet er den Sarner Gemeindebehörden ein Kränzchen.

Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich in Sarnen schon einmal «warm gelaufen» für die grosse Klimademo am Nachmittag in Luzern – und sind dann zusammen auf den Zug gegangen.

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