Der traditionelle Sühudiumzug in Einsiedeln.

Video: Silja Hänggi / Benno Kälin

Schwyz
Nach Fasnachtsumzug in Einsiedeln: Polizei greift durch und verteilt 100 Bussen

Jetzt wird durchgegriffen. Die Polizei verteilte am Mittag in Einsiedeln Ordnungsbussen. Auch das Amt für Gesundheit und Soziales war nach dem Süühudi-Aufmarsch am Montagmorgen hellhörig geworden. Die Betreiber der Take-Aways zeigten sich nach einer Intervention einsichtig und stellten nach dem Mittag ihren Betrieb ein.

Geri Holdener
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Im Gegensatz zu anderen Kantonen drückte man in Schwyz bislang oft ein Auge zu, wenn in Menschenansammlungen gegen die Coronavorschriften verstossen wurde. Meistens zeigten mahnende Worte Wirkung, seien es Ermahnungen an Gäste vor einem Take-Away oder ein Gespräch mit den Teilnehmern am Küssnachter Klausjagen. Nach den Bildern von heute Güdelmontag zeichnet sich nun aber eine härtere Gangart ab.

Die Fasnacht dauert noch bis und mit morgen Güdeldienstag. Bis dahin werden die Polizeimitarbeiterinnen und -mitarbeiter im ganzen Kantonsgebiet gefordert sein. Auf Twitter und anderen Kanälen publizierte die Kapo am Montagmittag den Aufruf: «Verzichtet auf fasnächtliches Treiben, meidet Ansammlungen von Personen.» Man hat Bussen in Aussicht gestellt.

Polizei verteilt Bussen an Fasnächtler.

Video: Silja Hänggi

Vorkommnisse wie heute in Einsiedeln seien «regelwidrig und nicht tolerierbar». Es war der erste unmissverständliche Polizeiaufruf auf Social Media seit Beginn der Coronamassnahmen.

Über tausend Besucherinnen und Besucher am Strassenrand und ein Fasnachtsbetrieb, als würden die Coronamassnahmen gar nicht existieren (wir berichteten). Die Aufnahmen von den wilden Süühudi heute Montagmorgen in Einsiedeln haben im ganzen Land erstaunt. Es scheint sogar, als hätten dieses Jahr mehr Fasnächtler mitgemacht als sonst.

Hunderte Fasnächtler ziehen durch Einsiedeln.
11 Bilder
Tausende Zuschauer verfolgen den Umzug am Strassenrand
Auch auf dem Hauptplatz in Schwyz fanden sich am Montagmorgen Fasnächtler ein.

Hunderte Fasnächtler ziehen durch Einsiedeln.

Bild: Benno Kälin

Offiziell ist der Süühudi-Umzug keine Veranstaltung. Er bildet sich spontan. Der Verkehr durchs Dorf lief auch in den Morgenstunden regulär. Es gab keine Strassensperrungen. Die meisten Automobilisten machten jedoch angesichts der Menschenmenge rasch rechtsumkehrt.

Mitten im Fasnachtsgetümmel war auch Alois Gmür zu finden. «Fasnacht ist wie ein Virus», sagte der CVP-Nationalrat gegenüber «20 Minuten». Es sei eine traurige Fasnacht, «aber trotzdem muss man sich austoben können». Deshalb sei wichtig, dass es Fasnacht auch dieses Jahr gebe. «Fasnacht kann man nicht verbieten.»

Die Polizei konzentrierte sich zunächst darauf, die Leute zur Einhaltung der Coronamassnahmen zu ermahnen. Gegen Mittag fuhr die Kapo die Präsenz massiv hoch. Die Strassen wurden mit zusätzlichen Leuten vom Kloster her Richtung Dorf geräumt. Es gab diverse Bussen. Ein Bussenzettel, ausgestellt kurz vor 12 Uhr, ging auf WhatsApp viral. Ein Einheimischer wurde mit 100 Franken gebüsst, wegen der Bussenziffer 16002: Teilnahme an einer unzulässigen Veranstaltung im Rahmen der Covid-19-Verordnung.

Take-Away-Betreiber schliessen freiwillig

Wie schon letzte Woche bildeten sich auch heute Vormittag und am Mittag Schlangen vor den Take-aways im Dorf, vor allem entlang der Route. Nicht alle hielten sich an die Abstandsregeln. An einem üblichen Güdelmontag würden sich am Nachmittag in Einsiedeln die Leute zum Wagenumzug versammeln. Grosse Umzugswagen waren dieses Jahr nicht zu erwarten, aber noch immer hatte es um die Mittagsstunden einiges Volk im Dorf, wenn auch deutlich weniger als am Morgen.

Der Schwyzer Polizeisprecher David Mynall bestätigte am Mittag, man stehe in Kontakt mit den Verantwortlichen des kantonalen Amts für Gesundheit und Soziales. Es wurde an einer kurzfristig einberufenen Sitzung auf Departementsebene darüber diskutiert, die Take-aways am Nachmittag amtlich schliessen zu lassen. Zu diesem Schritt kam es dann nicht. Mynall: «Die Polizei suchte das Gespräch mit den betroffenen Betreibern.» Diese hätten sich einsichtig gezeigt und ihre Stände nach dem Mittag freiwillig geschlossen. Im übrigen Kantonsgebiet musste die Kantonspolizei nur wenige Ermahnungen aussprechen, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

Die Webcam zeigt den Menschenauflauf vor dem Kloster Einsiedeln:

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