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Schwyz
Eklat im Kantonsrat: Ratspräsident dreht Corona-Skeptiker während Rede das Mikrofon ab

Das Ende einer gesitteten Debatte im Schwyzer Kantonsrat wurde durch eine Schimpftirade des Steiner SVP-Parlamentariers David Beeler überschattet. Der Ratspräsident griff durch.

Jürg Auf der Maur
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So etwas hat es im Schwyzer Kantonsrat wohl noch nie gegeben: Während der Debatte zur «Wertschätzung des Gesundheitspersonals» ergriff der Steiner SVP-Kantonsrat David Beeler das Wort. Beeler, der schon mehrmals ermahnt wurde, weil er mit seinen Voten die parlamentarische Anstandsgrenze überschritt, war nicht mehr zu stoppen. Der Corona-Skeptiker sprach von «perversen Massnahmen», mit denen die «Tyrannen von Bern» gegen die Bevölkerung und besonders gegen die Kinder und Studenten vorgingen.

Es gebe nur noch eine «sogenannte Demokratie», es herrsche ein «Genozid der Gedanken». Schon Hunderte von Leuten seien an den Folgen der Impfung gestorben. Er werde vom Personal in Schwyz regelmässig orientiert. Dort seien bereits zwei Personen nach der Impfung gestorben.

SVP-Fraktionschef musste sich entschuldigen

Kantonsratspräsident Thomas Hänggi (SVP) intervenierte, er forderte von Beeler Respekt vor dem Parlament und bat ihn, sich zu mässigen, sonst müsse er ihm das Wort entziehen. Beeler machte weiter, Hänggi und sein Parteikollege redeten gleichzeitig immer lauter. Andere Parlamentarier schrien und klatschten, und forderten Hänggi sowie die Saaltechnik auf, den Mikrofonstecker zu ziehen, was Hänggi dann auch tatsächlich veranlasste. «So etwas geht nicht, definitiv», erklärte Hänggi. Er kündigte an, dass das Ratsbüro nach der Session besprechen werde, welche Folgen Beelers Auftritt nach sich ziehen werde. Auch der Goldauer SP-Kantonsrat Jonathan Prelicz zeigte sich perplex. Die SVP sei dafür verantwortlich und müsse Beeler zurechtweisen. Darauf entschuldigte sich SVP-Fraktionschef Thomas Haas für die Worte von Beeler. Das Votum zeige aber, wie die Stimmung derzeit in der Bevölkerung sei. Ähnlich äusserte sich auch SVP-Kantonsrat Bernhard Diethelm: «Er drückte nur die Gefühlslage in der Bevölkerung aus», auch wenn der Stil nicht richtig war.

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