Umzug trotz Corona
Mitte-Nationalrat Alois Gmür verteidigt Fasnacht von Einsiedeln: «Heute Abend wird das Gleiche wieder passieren»

Mitte-Politiker Alois Gmür reagiert auf Kritik von «Oberlehrer» Gerhard Pfister. Er behauptet, Auswärtige seien für den Krawall verantwortlich.

Pascal Ritter
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Mitte-Nationalrat und Braumeister Alois Gmür vor der Brauerei Rosengarten in Einsiedeln: Hier unterstützte er den Fasnachtsumzug und bereut nichts.

Mitte-Nationalrat und Braumeister Alois Gmür vor der Brauerei Rosengarten in Einsiedeln: Hier unterstützte er den Fasnachtsumzug und bereut nichts.

Bild: Mischa Christen (Einsiedeln, 16. Juni 2014)

Herr Gmür, ein «20 Minuten»-Interview von Ihnen an der Einsiedler Fasnacht gibt zu reden. Was war denn überhaupt Ihre Aktivität an der Fasnacht?

Ich habe mir den Sühudi-Umzug am Montagmorgen angesehen. Das ist ein unorganisierter Umzug durchs Dorf. Die Route ist immer gleich und am Schluss endet sie bei meiner Brauerei, die liegt ein wenig ausserhalb des Zentrums in Richtung Spital. Ich stand vor dem Haus und schaute zu, statt mich hinter dem Vorhang zu verstecken. Als ich den Umzug sah, hüpfte mir das Herz, ich gab das Interview und ging Zmittag essen.

Im Interview sagten Sie, Fasnacht sei wie ein Virus, sie lasse sich nicht verbieten. Wie denken Sie heute? Stehen Sie noch zu Ihren Aussagen?

Dahinter stehe ich nach wie vor. Auch während der Spanischen Grippe fand die Fasnacht statt. Es ist auch ein Zeichen an die Politik. Narren und Kinder sagen die Wahrheit, sagt man. 1000 Leute waren dabei. Die scheren sich kein Bisschen mehr um die Verbote. Es hat sich aber niemand gesetzeswidrig verhalten. Sie gingen einfach hinaus ins Dorf. Wenn ich an einem Skilift stehe, ist das auch so. Die Leute haben genug. Wir müssen lernen mit dem Virus zu leben. Wir müssen uns darauf einstellen. Einsiedeln ist eine Fasnachtshochburg.

Nach Besuch an Einsiedler Fasnacht: Kritik an Nationalrat Alois Gmür.

Video: Tele 1

Sie sagen, niemand hätte Gesetze verletzt. Was ist denn mit der Regel, dass sich nicht mehr als fünf Personen treffen dürfen?

Es war kein Treffen. Die Leute sind vor das Haus gestanden und der Umzug ging durchs Dorf.

Im Umzug waren aber mehr als fünf Leute.

Man läuft halt durchs Dorf, das kann man nicht verbieten. Heute Abend wird das Gleiche wieder passieren. Man kann es nicht verbieten. Es ist unorganisiert. Es ist ein spontanes Spazieren.

Das schleckt doch keine Geiss weg: Ein solcher Umzug ist verboten.

Sie stellen sich das falsch vor. Es ist kein organisierter Umzug wie in Luzern oder Basel. Es gibt keine Tafeln, welche Gruppe, wo stehen soll. Die Narren kommen aus allen Gassen. Es ist ein wildes Treiben.

Die Polizei könnte das doch verhindern mit einem entsprechenden Aufgebot.

Das wäre völlig übertrieben gewesen. Da macht man nur die Leute verrückt. Wenn die Beizen offen gewesen wären, wäre das problematisch. Aber die waren zu. Und draussen sind die Aerosole kein Problem.

Überall sonst wird die Fasnacht abgesagt, aber Einsiedeln soll trotzdem feiern dürfen?

In Einsiedeln ist es unorganisiert. Es gibt keine Chefs. Am Morgen geht man einfach hinaus. Das ist unorganisiertes Tun. Es gibt am Sühudi-Umzug auch keine Guggenmusik, das ist hier verpönt. Das ist der grosse Unterschied.

Aber auf Bildern sieht man auch Instrumente.

Es gibt keine Guggenmusik, nur vereinzelte Instrumente. Gruppen bis zu fünf Leuten mit Instrumenten.

Am 1. Mai in Zürich ist am Morgen eine organisierte Demonstration. Am Nachmittag herrscht wildes Treiben. Dort geht es auch gegen die offizielle Politik. Kann das Ihrer Meinung nach auch trotz Corona stattfinden?

Das ist etwas anderes. Die Fasnacht ist ein friedliches Tun und Unterhalten. Man nimmt sich hoch. Man tut sich kund. Man stellt sich zur Schau. Es gibt keine Gewalt.

Am Abend eskalierte es in Einsiedeln. Die Polizei soll mit Böllern angegriffen worden sein.

Laut meinen Recherchen war es ein Mix zwischen Auswärtigen und Einheimischen. Ein solches Verhalten gehört nicht an die Fasnacht.

Auswärtige, die hochgekommen sind, um in Einsiedeln Krawall zu machen? Glauben Sie das wirklich?

Mir wurde das gesagt. Das seien Leute, die noch nie in Einsiedeln waren. Meine Mitarbeiter von der Brauerei haben das gesehen. Da waren Chaoten von irgendwoher dabei. So wurde es mir gesagt. Ich halte es für möglich, ich habe es aber selber nicht gesehen, also kann ich es nicht beschwören.

Mitte-Präsident Gerhard Pfister distanziert sich von Ihnen. Er sagte: «Das Verhalten von Alois Gmür entspricht nicht dem Verhalten, das man der Bevölkerung in Corona-Zeiten leider vorschreiben muss.» Was sagen Sie dazu?

Es ist ja klar, dass Gerhard Pfister nun den Oberlehrer macht. Er war ja mal tatsächlich Lehrer. Er muss das sagen. Die Fasnacht wurde immer schon benutzt, um aufmüpfig zu sein und der Obrigkeit zu trotzen. Was Pfister sagt, nehme ich zur Kenntnis. Ich nehme meine Worte nicht zurück.

Was sagen Sie allgemein zur Coronapolitik. Wie soll es weitergehen?

Der Bundesrat muss eine Perspektive aufzeigen. Er muss zeigen, wie man aus dem Lockdown kommt. So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Man kann nicht alles verbieten und alles zu machen. Meine Brauerei leidet darunter. Wir haben 75 Prozent Umsatzeinbusse. Skilifte und Hotel sind ja auch offen. Man darf nicht alles verbieten und alles über die gleiche Leiste scheren. Man muss nun schrittweise öffnen. Restaurants und Läden sollen mit Schutzkonzept wieder aufgehen.

Und Veranstaltungen würden Sie auch sofort wieder erlauben?

Nein, erst wenn genug Leute geimpft sind.

Sie wollen die Regeln ändern, sagen aber, man solle sich nur an jenen Teil der Regeln halten, den man auch vernünftig findet. Das geht doch nicht auf!

Regel sind Regeln, aber jetzt ist Fasnacht. Da hat man ein spezielles Regime. Heute Abend um Mitternacht ist es vorbei, dann werden sich wieder alle daran halten.

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