Kommentar
Uri profitiert, Zürich bezahlt

Den Zürchern zu erlauben, ihren Böögg auf der Teufelsbrücke abzufackeln, war ein schlauer Zug. Tagelang zog Uri damit die nationale Aufmerksamkeit auf sich.

Anian Heierli
Anian Heierli
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12 Minuten und 57 Sekunden hat es gedauert, bis der Kopf des Bööggs explodiert ist. Das heisst: Mindestens solange schaute die Nation auf den Kanton Uri und die Region Andermatt. Das Schweizer Fernsehen widmete 45 Minuten seiner Zeit der Live-Übertragung. Ebenso sendeten «Tele 1», «Tele Zürich» oder «Blick TV» direkt aus der Schöllenenschlucht. Dazu kommen noch zahlreiche Vorschauen und Beiträge in Online- und Printmedien.

Insofern ist das Spektakel auf der Teufelsbrücke vor allem eines: eine wertvolle Werbeaktion für Uri. Zwar ist diese nicht ganz billig. Mit den Vorbereitungsarbeiten liegen die Kosten im sechsstelligen Bereich. Doch der Kanton Uri muss nur einen Bruchteil davon bezahlen. Fast alles wird vom organisierenden Zentralkomitee der Zünfte Zürichs finanziert. Darunter fällt auch die Bezahlung regionaler Arbeiter, etwa der Urner Firma Bissig Holzbau, die im Vorfeld das Podest für den Böögg gezimmert hatte.

Dass die Urner Regierung den Zürchern erlaubte, ihren Böögg in der Schöllenenschlucht zu verbrennen, war insofern ein schlauer Schachzug. Dasselbe gilt für die Wahl des Standorts Teufelsbrücke. Denn so werden zwei symbolträchtige Objekte miteinander verbunden. Hinzu kommt, dass der Böögg in seiner 100-jährigen Vergangenheit noch nie ausserhalb der grössten Schweizer Stadt verbrannt wurde. Insgesamt sicherte sich der Kanton Uri also nicht nur eine unbezahlbare Werbeplattform, sondern auch einen Eintrag in den Geschichtsbüchern der Zürcher.

Dass der Böögg in der Schöllenen verbrannt wurde, ist vor allem eines: wertvolle Werbung für den Kanton Uri.

Dass der Böögg in der Schöllenen verbrannt wurde, ist vor allem eines: wertvolle Werbung für den Kanton Uri.

Bild: Urs Flüeler, Keystone (Schöllenenschlucht, 19. April 2021)

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