Zuger Impfwoche
«Bin ich noch genügend geschützt?» – Fragen und Antworten zu Nebenwirkungen, der Booster-Impfung und mehr

Mit einer speziellen Aktion kämpft der Kanton gegen die Coronaverunsicherung in der Zuger Bevölkerung. Hier finden Sie die Antworten zu den wichtigsten Fragen.

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Landammann und Gesundheitsdirektor Martin Pfister (links) und Kantonsarzt Rudolf Hauri beantworten Fragen.

Landammann und Gesundheitsdirektor Martin Pfister (links) und Kantonsarzt Rudolf Hauri beantworten Fragen.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 10. November)

Während der nationalen Impfwoche, die heute mit den letzten Aktionen endet, hatte die Bevölkerung im Kanton Zug die Gelegenheit, Fragen rund um Corona zu stellen, und diese von Experten der Gesundheitsdirektion beantworten zu lassen. Antworten gaben Landammann Martin Pfister, Kantonsarzt Rudolf Hauri und Daniel Desgrandchamps, Kinderarzt und Infektiologe. Sie haben verschiedene Fragen und Antworten für unsere Zeitung zusammengestellt. (haz)

1. Notwendigkeit der Impfung

Ich habe mich in den letzten eineinhalb Jahren nie mit Corona infiziert und auch ein Antikörpertest hat gezeigt, dass ich bisher nicht mit dem Virus angesteckt war. Mein Körper scheint also genügend Abwehrkräfte zu haben. Weshalb soll ich mich nun doch impfen lassen?.

Der negative Antikörpernachweis heisst nur, dass es bis jetzt nicht zu einer Ansteckung gekommen ist, was ja erfreulich ist. Leider heisst das aber nicht, dass Sie sich auch in Zukunft nicht anstecken werden. Im Gegenteil, da der Körper keine Spuren eines Kontakts mit dem Virus zeigt, ist er empfänglich für das Virus. Gerade durch die ansteckenderen Virus-Varianten ist die Gefahr einer Ansteckung sehr hoch. Gerade hier wäre eine Impfung sehr sinnvoll, denn sie würde ohne Ansteckung direkt zur Immunität führen.

Wie man hört, stecken sich immer mehr auch geimpfte Personen an und müssen ins Spital. Weshalb soll ich mich impfen lassen, wenn es nicht wirkt?

Die Impfung wirkt nach wie vor sehr gut – wir sehen aber, dass der Schutz vor einer Ansteckung nach einer Weile etwas abnimmt. Das ist bei Impfungen üblich, der Schutz vor schweren Krankheiten ist nach wie vor sehr gut. Auf den Intensivstationen in den Schweizer Spitälern sind maximal 10 Prozent der Patientinnen und Patienten vollständig geimpft.

Ich bin gesund und unter 65 Jahren, gehöre also zu keiner Risikogruppe. In meinem Umfeld haben sich verschiedene Personen mit Corona angesteckt, alle hatten nur milde Symptome und lagen höchstens ein paar Tage im Bett. Weshalb soll ich mich nun impfen lassen, auch wenn ich nicht gefährdet bin?

Es ist korrekt, dass bei jungen und gesunden Personen milde Verläufe die Regel sind – es gibt aber auch Ausnahmen. Auch vormals gesunde Personen brauchen teilweise Spitalpflege und leiden monatelang an Langzeitfolgen einer Infektion. Zudem schützt eine Impfung nicht nur Sie persönlich, sondern auch Ihr Umfeld: Als geimpfte Person sind Sie deutlich weniger ansteckend und gehen daher ein kleineres Risiko ein, Personen in Ihrem Freundeskreis oder Ihrer Familie anzustecken.

2. Nebenwirkungen

Ich habe grosse Angst vor Nebenwirkungen einer Coronaimpfung. Vor allem das erhöhte Risiko für Thrombosen und Herzmuskelentzündungen schreckt mich vor einer Impfung ab. Ist die Gefahr durch die Impfung nicht grösser als die durch eine Ansteckung?

Ein erhöhtes Risiko für Thrombosen ist bei den sogenannten Vektor-Impfstoffen nachgewiesen. Bei den mRNA-Impfstoffen, die in der Schweiz zum allergrössten Teil eingesetzt werden, ist dies nicht der Fall. Es kann aber bei diesen Impfstoffen in wenigen Fällen zu Herzmuskelentzündungen kommen. Die wissenschaftlichen Studien zeigen aber ganz eindeutig: Das Risiko für diese Entzündung ist nach einer Ansteckung um ein Vielfaches höher als nach einer Impfung.

Wie häufig kommt es zu schweren Nebenwirkungen oder gar Todesfällen bei einer Coronaimpfung?

Die allermeisten Geimpften verspüren höchstens leichte und kurz anhaltende Nebenwirkungen, etwa Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schmerzen an der Einstichstelle. Zu Todesfällen aufgrund einer Impfung ist es in der ganzen Schweiz noch nicht gekommen. Die zuständige Aufsichtsstelle Swissmedic untersucht alle eingegangenen Meldungen zu Nebenwirkungen sehr genau.

Ich bin sehr unsicher, ob ich mich impfen lassen soll. Ich reagiere auf verschiedene Medikamente allergisch, u.a. Kortison und Penicillin. Erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass ich auch auf den Coronaimpfstoff stark reagiere?

Erfreulicherweise zeigen die in der Schweiz erhältlichen Impfstoffe (sowohl die m-RNA-Impfstoffe wie Vektorimpfstoff) kaum Kreuzreaktionen mit anderen Medikamenten. Sowohl internationale Untersuchungen an schon mehreren Millionen Geimpften wie auch unsere eigenen Erfahrungen zeigen, dass die Impfung von diesen Allergiebetroffenen gut toleriert wird. Trotz Allergien auf Penizillin wie Kortison können Sie daher aus allergologischer Sicht die Impfung gegen Corona gut durchführen lassen; dies gilt für alle verwendeten Impfstoffe.

3. Kinder und Jugendliche

Unsere Kinder sind 12 und 14 Jahre alt und wir sind unsicher, ob eine Impfung angebracht ist – Kinder erkranken ja zumeist nur leicht. Zudem sind wir verunsichert, da die Kinder dieselbe Impfdosis wie Erwachsene bekommen, bei anderen Medikamenten ist die Dosis ja meist viel geringer.

Wir empfehlen die Impfung grundsätzlich allen Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren. Es stimmt zwar, dass diese Altersgruppe meist nur milde Verläufe hat – es gibt aber auch dort Ausnahmefälle. Auch Langzeitfolgen (Long-Covid) kann Kinder und Jugendliche treffen und teilweise monatelang belasten. Die Impfdosis ist bei Kindern und Jugendlichen tatsächlich gleich hoch wie bei Erwachsenen. Beim Impfstoff handelt es sich nicht um ein Medikament zur Behandlung einer Krankheit, sondern um eine Substanz, die das Immunsystem anregen soll. Da man noch nicht immun ist, spielt die Dosierung nicht dieselbe Rolle wie bei einem Medikament.

Ich habe vor knapp einem Monat ein Kind geboren und stille aktuell voll und möchte dies auch weiterhin tun. Gibt es Studien dazu, ob die Impfung Auswirkungen auf mein gestilltes Kind haben kann?

Das BAG und die eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfehlen die Impfung auch für Mütter in der Stillzeit. Es gibt wissenschaftliche Studien welche auf eine Übertragung von Antikörpern auf den Säugling über die Muttermilch hinweisen. Somit würde das gestillte Kind ebenfalls vor einer Corona-Erkrankung geschützt.

4. Booster-Impfung

Ich gehöre zur Bevölkerungsgruppe über 65 und möchte deshalb so rasch wie möglich meine Auffrischimpfung bekommen. Gleichzeitig habe ich bereits einen Termin für eine Grippe-Impfung. Muss zwischen diesen beiden Impfungen ein bestimmter zeitlicher Abstand eingehalten werden?

Nein, das ist nicht nötig. Die Auffrischimpfung und die Grippe-Impfung können sogar am selben Tag verabreicht werden, ohne dass mit verstärkten Nebenwirkungen oder einer geringeren Wirksamkeit gerechnet werden muss.

Ich bin bereits zweimal gegen Corona geimpft und überlege mir nun, eine Auffrischimpfung zu machen. Ist es sinnvoll, vorher einen Antikörpertest zu machen, um zu sehen, ob eine Auffrischimpfung nötig ist oder ich noch genügend geschützt bin?

Bisher gibt keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Korrelation zwischen den bestimmten Antikörpern und dem tatsächlichen Impfschutz. Auch nach einem Antikörpertest kann deshalb nicht gesagt werden, wie hoch der Impfschutz noch ist. Aus diesem Grund empfiehlt die EKIF die Auffrischimpfung für alle Personen über 65 Jahre, unabhängig von einem allfälligen Antikörpernachweis.

Ich habe mich im Frühjahr 2020 zweimal gegen Corona impfen lassen. Im Oktober hatte ich nun trotzdem eine Ansteckung mit leichten Symptomen. Ist es empfehlenswert, nun noch eine Auffrischimpfung zu machen?

Grundsätzlich gehen wir in diesem Fall davon aus, dass die Infektion als natürlicher Booster gewirkt hat und keine Auffrischimpfung nötig ist. Ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin ist aber sicher empfohlen.

Vor genau 3 Wochen wurde mir (68) eine Hüftprothese implantiert. Die Reha verläuft exemplarisch und ich habe keine Vorerkrankungen. Gibt es aufgrund der OP Gründe, mit der Booster-Impfung zuzuwarten?

Nein, es spricht in Ihrem Fall nichts dagegen, sich umgehend für die Auffrischimpfung anzumelden.

5. Impfstoffe

Ich würde mich gerne mit einem Impfstoff impfen lassen, der auf einer länger bekannten Technologie basiert (Totimpfstoff oder Proteinimpfstoff). Warum sind in der Schweiz nur neue mRNA- oder Vektorimpfstoffe verfügbar?

Die Zulassung der Impfstoffe wird durch die Swissmedic nach hohen wissenschaftlichen Standards durchgeführt. Wir haben Vertrauen in diese Expertinnen und Experten. Wir würden es begrüssen, wenn in Zukunft weitere Impfstoffe zur Verfügung stehen. Sobald dies der Fall ist, werden wir diese auch der Zuger Bevölkerung anbieten. Wir können Ihnen aber versichern, dass auch die in der Schweiz zugelassenen Impfstoffe sicher und gut erprobt sind. Auf der ganzen Welt wurden in den vergangenen Hunderte Millionen Personen mit diesen Impfstoffen geimpft, ohne dass es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen gekommen ist.

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